In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
Wie ruiniert man seinen Ruf?
Von Heiner Hug
Der Chef des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) wird von der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates vorgeladen. Nachher verhält er sich abstrus.
Der Datendiebstahl beim Nachrichtendienst beschäftigt die Politik und die Bevölkerung. Bundesrat Ueli Maurer tut etwas Edles. Er steht vor die Kameras und spricht M.S., dem Chef des Nachrichtendienstes, sein Vertrauen aus. Nicht alle Chefs stehen öffentlich vor die Mitarbeiter.
Doch dieser M.S. tut etwas, was in der Kommunikationsbranche als Gau bezeichnet wird. Nach der Sitzung will er die vor der Tür wartenden Journalisten meiden und verlässt den Sitzungssaal durch die Toilette. Die "Tagesschau" berichtet darüber und zeigt seinen Fluchtweg. Hat der Mensch keinen Medienberater?
M.S. mag ein guter Chef und in jeder Hinsicht unschuldig sein. Aber sein Verhalten – will man der Tagesschau glauben, und daran gibt es keinen Zweifel – ist einfach nur peinlich. Ist er sich bewusst, was da an ihm hängen bleibt? Ist er feige, ein Drückeberger – oder handelte er einfach nur unüberlegt?
Er mag unschuldig sein, aber der Ruf wird an ihm kleben bleiben: „Das ist der Mann, der durch die Toilette flüchtet.“ Ein solches Etikett bringt man ein Leben lang nicht mehr los, so wie der einstige SRG-Chef Walpen das Porsche Cayenne-Etikett nicht los bringt.
M.S. ist ein gut bezahlter Beamter. Wer so kneift, vermittelt den Eindruck, dass er doch etwas zu verbergen hat.
Das A und O jedes Medientrainings besteht darin: Steht hin, zeigt Euch. Seid nicht feige. M.S. hätte vor die Kameras treten können und sagen: „Guten Tag Ihr Journalisten. Wir haben ein ausführliches, offenes Gespräch geführt. Sie verstehen, dass ich im Moment mich nicht weiter dazu äussern möchte. Ich danke Ihnen.“ Und weg wäre er – und seine Ehre wäre gerettet.






















