EURO-ENDE
Journal21

Wenn der Schein trügt

Euronoten werden bald zu Sammlerstücken

Von René Zeyer

Wie soll es weitergehen? Wenn man Träume, Ideologien und die Hoffnung, dass Wünschen helfen kann, beiseite lässt: Der Euro ist Geschichte. Umso kürzer der Weg dahin, umso besser für alle Europäer.

Es gibt keine Kristallkugel, um in die Zukunft zu schauen. Aber glücklicherweise eine Realität, Logik, Analysemethoden und das Einmaleins. Die Realität ist, dass der Euro von Anfang an eine Fehlgeburt war. Und dass der erschummelte Beitritt Griechenlands zur Eurozone von Anfang an falsch war. Die Logik gebietet die einfache Frage: Sind diese beiden Fehler innerhalb der existierenden Eurowelt zu reparieren? Ist das System überhaupt reformfähig? Die klare Antwort lautet: zwei Mal Nein.

Der Punkt ohne Wiederkehr

In komplexen Systemen, wie es eine 17 Länder umfassende Währung darstellt, kommt man der realistischen Analyse, wie es darum bestellt ist, mit einer einfachen Frage am nächsten: Sind seine Entwicklungen noch umkehrbar, kann man vom jetzigen schlechten Zustand noch irgendwie zu einem besseren zurückkehren? Mit Schubumkehr, einem Überüberrettungsschirm, einer Billion, zehn Billionen, hundert? Mit Eurobonds, Fiskalpakten, was auch immer? Oder ist der Point of no Return überschritten? Angesichts der Tatsache, dass in den letzten Jahren ja wahrlich (fast) alles probiert wurde, ist auch hier die Antwort klar: Die Entwicklung ist unumkehrbar.

Die Konsequenzen

Nach dieser unbestreitbaren Erkenntnis lautet die nächste Frage: Was sind also die Konsequenzen daraus? Auch hier liegen die Antworten auf der Hand. Griechenland muss und wird pleite gehen. Faktisch ist das Land bereits bankrott, es wird seit zwei Jahren lediglich künstlich am Leben erhalten. Besser gesagt, zu Tode gerettet, denn seine Situation ist heute ja schlimmer und verzweifelter als vor zwei Jahren. Nun hat Griechenland mit diesem Zustand Erfahrung. Seit seiner Gründung als moderner Staat im Jahre 1830 war es länger und häufiger bankrott als solvent, ja es wurde aus einem Bankrott heraus gegründet. Die Wiege der europäischen Kultur wird auch diesmal nicht untergehen, im Gegenteil, es wird eine Erlösung sein.

Die konkreten Konsequenzen

Ein geordneter Staatsbankrott beginnt am besten an einem Freitag nach Börsenschluss. Montag und Dienstag wird zum Bankenfeiertag erklärt, und ab Mittwoch sind gestempelte oder gelochte Euronoten im Umlauf, die dann durch Drachmen ersetzt werden. Umrechnungskurse zu anderen Währungen werden staatlich festgelegt, ein Verhältnis von 1 zu 10 bietet sich an. Sowie natürlich eine Devisenausfuhrkontrolle. Ist alles keine Hexerei. Um diesen Faktor zehn werden alle inländischen und ausländischen Gläubiger rasiert. Anschliessend Neustart Griechenland. Eventuell muss das Militär als einzig existierende Ordnungsmacht dafür sorgen, dass es nicht zu rechtsfreien Räumen oder Aufruhr kommt.

Die weiteren Konsequenzen

Da damit das Problem der Fehlkonstruktion Euro nur für Griechenland gelöst ist, muss der Euro natürlich überall abgeschafft werden. Auch die Idee eines Nord- und Südeuros ist nicht praktikabel. Spanien, Italien und Griechenland im Süden sind genauso wenig für eine gemeinsame Währung geeignet wie Frankreich und Deutschland im Norden. Natürlich wird in erster Linie Deutschland bluten. Und sich nicht länger dafür bezahlen lassen können, dass ihm Geld geliehen werden darf. Aber auch das ist ja ein völlig unnatürlicher Zustand, dessen Fortsetzung für niemanden Vorteile hat.

Die konkreten Konsequenzen

Obwohl oder gerade weil man dieser Argumentationslinie nicht rational widersprechen kann, kommt sicherlich die irrationale Reaktion: Um Himmels Willen, alles, nur das nicht, Weltuntergang, Katastrophe, Verwerfungen, Rezession, Wirtschaftskrise. Unsinn, natürlich wird das wehtun. Pensionsansprüche, Spargroschen, kleine Gläubiger, alle werden rasiert werden. Aber die völlige Abschaffung des Euros ist eben die beste aller schlechten Varianten. Nicht nur das, alle Alternativen führen, früher oder später, inzwischen eher früher, wirklich in den Abgrund. Nur wer die Augen fürs Offenkundige verschliesst und in einer Traumwelt lebt, kann das nicht sehen.

Und die Finanzwelt?

Da Finanzinstitute und Staaten zu siamesischen Zwillingen zusammengewachsen sind, wäre das natürlich der richtige Moment, sie wieder zu trennen. Sich also von der Denkschablone zu verabschieden, dass so etwas wie «too big to fail» wirklich existiert. Wenn eine Bank die nötigen Abschreibungen nicht verkraftet, dann kommen ihre Gläubiger, also Aktionäre und Investoren, an die Kasse. Und die Bank deponiert die Bücher. Ihre Funktionen im Geldkreislauf, also Abhebungen, Kontoführung, Hypotheken usw. können problemlos von einer Ersatzbank aufrecht erhalten werden. Denn auch hier gilt, wie oben: Tertium non datur. Etwas Drittes, eine noch nicht entdeckte Alternative, gibt es nicht.

Kommentare

"Aber die völlige Abschaffung des Euros ist eben die beste aller schlechten Varianten. Nicht nur das, alle Alternativen führen, früher oder später, inzwischen eher früher, wirklich in den Abgrund. Nur wer die Augen fürs Offenkundige verschliesst und in einer Traumwelt lebt, kann das nicht sehen."

Mittlerweile kann das jeder/jede mit geschlossenen Augen erkennen. Wer sich jetzt noch hinter Euro-Traumwelten verschanzt und auf dessen Erfolgsgeschichte beharrt, der lügt sich aus ganz persönlichen Gründen die Sache schön. Wo enden sie denn alle, wenn sie zugeben, dass sie den Karren nicht mehr aus dem Dreck ziehen können, denn sie auf so kurzsichtige Art hinein geschoben haben? Man würde doch seine Glaubwürdigkeit, sein Gesicht verlieren - die sind in Wahrheit beide schon perdu - aber das hat von den Verantwortungsträgern wohl noch keiner gemerkt! Was schlimmer wiegt als der Verlust von Gesicht und Glaubwürdigkeit: Man verlöre seine öffentlichen Ämter - seine "Würden", seine Position im Scheinwerferlich und am Schluss auch noch seine Immunität!
Das könnte zur Folge haben, dass man evtl. zur Verantwortung gezogen würde dafür, dass die Bürger alles verlieren müssen, nur damit man selbst ja nicht ......schreckliche Vorstellung! Ein Leben ohne riesiges Spesenbudget, Beamtenlimo, einflussreiche Bekannte und all' die vielen schönen Krisensitzungen und Interviews. Nur noch Gerichtsverhandlungen auf der Anklagebank wegen Veruntreuung/Unterschlagungen von Volksvermögen. Um diese persönliche Katastrophe zu vermeiden geht man über Europas Leiche. Drama!

Wenn der Schein (be)trügt, wird ein neuer Schleim inszeniert: eine Fronttruppe, Werber PR-Leute Pressesprecher Wort- und Rechtsverdreher, (ver)führt in Sackgassen, zieht über Kritiker her und Gutgläubige über den Tisch, verspricht: Wir tun unser Bestes und alles Mögliche … wir tun, was wir können … nur können sie nicht viel; und vor allem wenn, dann nur zugunsten Weniger. Bis die Mehrheit begriffen hat, was die sog. Verantwortlichen angerichtet haben, sind die nicht mehr der Rede wert, weil andere mehr oder weniger im selben Sinne weitermachen. So kommen die Bosse der Wirtschaft und die Politiker als ihre Vasallen meistens un- oder kaum geschoren davon.

Wahrsagerin: "Die Deutschen werden in Zukunft enteignet und all ihr Vermögen verlieren." Merkel: "ja ich weiss, aber komme ich dafür ins Gefängnis?"

zu Ihrer Aussage "Und dass der erschummelte Beitritt Griechenlands zur Eurozone von Anfang an falsch war. " darf ich noch ergänzen:

dass der ebenfalls gezielt erschummelte Beitritt Italiens zur Eurozone von allen anderen Mitgründern bewusst akzeptiert und politisch in Kauf genommen wurde.<<

Diese Tatsache erschwert die heutigen Ausreden der damaligen Verantwortlichen beträchtlich.

Auch Italien muss mittlerweile eingestehen, dass man damals besser "nicht gelogen" hätte. Jetzt zahlt (auch) der italienische Bürger die Zeche dafür.

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