In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
Vier Uraufführungen
Von Dagmar Wacker
Einen abwechslungsreichen Ballettabend bietet Richard Wherlock seinen Ballettfreunden mit LOOPS und vier Uraufführungen.
Diese sind: "Le spectre de la rose" (Choreographie Wherlock), "Golden Partita" (Jorma Elo), "Duende" (Nacho Duato) und "La Valse" (Richard Wherlock). Ein Abend wieder einmal mit Livemusik von Claude Debussy, Maurice Ravel, Cal Maria von Weber, Hector Berlioz, sowie Aram Chatschaturjan und Leo Delibes gespielt vom Sinfonieorchesters Basel.
"Le spectre de la rose"
Das bekannte Traditionsballett bekommt eine neue moderne Fassung von Richard Wherlock "Le spectre de la rose", ursprünglich von Michel Fokine 1911 geschaffen, basiert auf einem choreographischen Gedicht von Theophile Gautier, und wurde von der Tänzerlegende Vaslav Nijinski getanzt . Es schildert den erotischen Traum einer Dame, die gerade von einem Ball zurückgekehrt, sich mit einer Rose in der Hand in einem Sessel ausruht. Geschaffen als erotische Phantasie wurde das Ballett bei seiner Aufführung zum Skandal. Obwohl die Zeiten freizügig waren, spielten doch noch die Tabus als Verstärker der eigenen Phantasie. Der Zeitgeist hat sich geändert und mit ihm der Umgang mit dem Geschlechtlichen. Die Tabus sind gefallen, es wird direkter und Un-Verschämter vorgegangen; auch un-erotischer. Die Erotik wird bei Wherlock zum Sexuellem, eine imaginäre erotische Begegnung wird zum eindeutig dargestellten athletischen Geschlechtsakt auf einem Felsblock. Laut Wherlock seine Anlehnung an ?l?apres midi d?un faune. Doch auch dort spielt die Phantasie die Hauptrolle.
"Golden Partita"
"Golden Partita", vom Finnen Jorma Elo für das Basler Ballet geschaffen. Mit "Golden Partita" wird seit dem 17. Jahrhundert ein Satz einer musikalischen Tanzfolge oder Variationsreihe bezeichnet und als das präsentiert es sich auch tänzerisch. Der Favorit des Publikums, da schnell, spritzig, humorvoll mit akrobatischen Einlagen. Man merkt, es geht um das Leben, die Lebensfreude im Moment, die Freude an der Bewegung und dem menschlichen Körper. Bemerkenswert sind die tänzerische Leistungen. Die zehn Tänzerinnen und Tänzer bilden immer wieder verändernde Gruppen zu zweit und zu dritt, ganze Muster, lösen sich wieder auf und formieren sich neu. Es gibt keine herausragende Persönlichkeiten, keine Beziehungen untereinander. Die Hauptperson des Balletts ist die Energie, die Lebensfreude.
"Duende"
Ein "Duende" ist ein Gespenst, oder jemand mit einer magischen Anziehungskraft. Der Schöpfer dieses Balletts, der bemerkenswerte Spanier Nacho Duato, kommt choreographisch aus der Tradition des Nederlands Dans Theater, ist heute aber der künstlerischer Direktor des Mikhailowsky Balletts in St. Petersburg. Sein Ballett präsentiert sich als sehr musikalischer, organischer Bewegungsfluss, wie ihn die Tänzer lieben, und das spürt man. Obwohl es für die Tänzer schwierig zu tanzen ist, weil sie sich ganz gehen lassen müssen, sich dem Ineinander-Fliessen der Bewegungen überlassen. ? Dieser immer weiter fliessende ?danse pur? wirkt interessanterweise auch skulptural. Das Thema des Balletts berührt den Betrachter unmittelbar, die Sehnsucht, die Wirkung werden magisch, wie eine immer weiter gehende Serie von hoch poetischen Gedichten.
"La Valse"
Geradezu endzeitlich komponierte Maurice Ravel ?La Valse? zum Untergang einer Epoche, die heute
noch als ?gute alte Zeit? in manchen Filmen und Teilen der Musik gefeiert wird. Er selbst hat seine Komposition als
?Apotheose des Wiener Walzers? bezeichnet. Eine Verzerrung der heilen Welt, ähnlich der Rolle des ?Frosch? in der
Fledermaus; eine Parodie auf eine Welt der verborgenen Begierden und der Fassade.
Die gebrochene Walzerseeligkeit wird
in Abendgarderobe unter Kronleuchtern inszeniert. Die scharlachrote Damenriege dient als Staffage einer beherzt
auftanzenden vierzehnköpfigen Männergruppe. Diese tanzen Walzer, mit sich allein, schlecht und recht, und warten,
warten auf die Frauen. Man wartete gerne mit ihnen.






















