Die Gewerkschaft Unia hat den Abstimmungskampf um die im September vors Volk kommende 1:12-Initiative mit einer Studie lanciert: 2012 bestand bei den 41 grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn ein Verhältnis von 1:135. Gemäss Unia lag dieser Faktor 2011 noch bei 1:120. Den wachsenden Abstand zeigen auch Zahlen des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB. Hier wurden nicht Tiefst-, sondern Durchschnitts- mit Toplöhnen verglichen. Sie verhielten sich 1984 wie 1:6, 1998 wie 1:14 und 2011 wie 1:93. Selbstverständlich lässt sich über die Methodiken dieser wie aller derartigen Erhebungen trefflich streiten. Nicht zu bestreiten ist hingegen die Tendenz; und die ist exorbitant. Soll also der Staat mit seiner Verfassung bei den Löhnen für nicht-anstössige Relationen sorgen, indem er tief in die Vertragsfreiheit privater Unternehmen eingreift? Die einen werden diese heikle Frage aus ordnungs- und wettbewerbspolitischer Sicht mit Nein, andere aus einem Empfinden für soziale Gerechtigkeit mit Ja beantworten. Der im Herbst fällige Entscheid des Souveräns wird sich aus vielen Pros und Kontras sowie aus widerstreitenden Emotionen herausschälen. Eines aber werden die Gegner der Initiative im Abstimmungskampf (leider) nicht überzeugend vorbringen können: dass die Wirtschaft ohne staatliche Bevormundung aus eigener Einsicht für Remedur sorgen werde. (Urs Meier)
Viele Helden und eine Million Tote
Von Heiner Hug
Vor 150 Jahren tobt der amerikanische Bürgerkrieg. Es ist der erste militärische Konflikt, der fotografisch dokumentiert ist. Immer neue, teils spektakuläre Bilder tauchen auf.
Die Bibliothek des amerikanischen Kongresses ("Library of Congress") besitzt tausende Fotografien aus dem Bürgerkrieg. Die auf Glas gebannten Bilder werden laufend digitalisiert. Sie sind nicht nur ergreifende Dokumente des Bürgerkrieges, sondern ebenso phantastische Zeugnisse vom Anfang der Fotografie.
Am 7. Juli 1865 wird Mary Surratt und drei Männer in Washington die Schlinge um den Hals gelegt. Kurz darauf sind sie tot. Die vier waren beschuldigt worden, zu einer Gruppe von Verschwörern zu gehören, die das Attentat auf Präsident Lincoln durchgeführt hatten.
Genau zwei Wochen vor dieser Exekution ist der amerikanische Bürgerkrieg zu Ende gegangen.
Die Hinrichtung ist ein symbolisches Ende des Bürgerkrieges (Sezessionskrieges), der fünf Jahre gedauert hat.
Der Anfang
Nach der Wahl von Abraham Lincoln zum US-Präsidenten treten elf Südstaaten aus der Union (den USA) aus. Sie bilden die "Konföderierten Staaten von Amerika" (Confederate States of America, CSA). Der Süden fürchtet, dass mit Lincoln die Sklaverei abgeschafft würde. Der jetzt beginnende Krieg zwischen der Union (den nördlichen Staaten) und der Konföderation (den südlichen Staaten) fordert fast eine Million Tote (970'000) und 400‘000 Verwundete.
Fort Sumter, 1861
Alles beginnt am 12. April 1861. Konföderierte Truppen der Südstaaten beschiessen Fort Sumter im Hafen von Charleston (South Carolina). (Siehe Krte unten) Präsident Lincoln beruft 75‘000 Soldaten ein, um den Aufstand der Südstaaten niederzuschlagen.
Der Krieg, der jetzt beginnt, wird mehr amerikanische Tote fordern, als jeder andere Krieg, an dem amerikanische Soldaten beteiligt sind.
Schlacht von Fredericksburg, 1862
In der Schlacht von Fredericksburg (Virginia), die vom 11. bis 15. Dezember 1862 stattfindet, erleiden die nördlichen Unionstruppen eine weitere Niederlage. Auch später wird in Fredericksburg und seiner Umgebung gekämpft, so im Mai 1863 und im Mai 1864.
Präsident Lincoln, auch Oberbefehlshaber der Nord-Armee, besucht immer wieder seine Truppen.
Gettysburg, Juli 1863
Vom 1. bis 3. Juli 1863 findet die Schlacht von Gettysburg statt. General Robert Lee, der Oberbefehlshaber der konföderierten Truppen der Südstaaten, versucht, Maryland und Pennsylvania zu erobern. Er scheitert. Diese Niederlage gilt als Wendepunkt im Krieg.
Die einen zeichnen noch, die andern fotografieren schon.
Der amerikanische Bürgerkrieg ist der erste Krieg, in dem die Eisenbahn eine wichtige Rolle spielt.
John Burns, der "Held von Gettysburg" hatte schon am britisch-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teilgenommen. Im Alter von 70 Jahren beteiligt er sich auf Seiten der nördlichen Unionsarmee an der Schlacht von Gettysburg. Er wird verwundet und überlebt.
Chattanooga, 1863
Vom 23. bis 25. November 1863 findet die Schlacht von Chattanooga (Tennessee) statt. Die nördlichen Unionstruppen erringen einen entscheidenden Sieg und kontrollieren jetzt ganz Tennessee.
Während des fünfjähriges Krieges stehen sich zwei Persönlichkeiten gegenüber, die noch heute in den USA verehrt werden: Ulysses Grant und Robert Lee. Die nördlichen Unionstruppen werden lange Zeit von Generalleutnant Ulysses Grant kommandiert. Grant wurde später (von 1869 - 1877) der 18. amerikanische Präsident.
General Grant
General Robert Lee führt die Armee der Südstaaten.
Fort Sanders, 29. November 1863
Bei Fort Sanders in Tennessee erzielen die Unionstruppen einen entscheidenden Sieg. Die Schlacht findet am 29. November 1863 statt.
Petersburg, März 1865
Vom 9. Juni 1864 bis 25. März 1865 graben sich beide Truppen in Petersburg (Virginia) ein. Der Krieg ist schon fast zu Ende.
Richmond
Wenige Tage vor der Ermordung von Präsident Lincoln ist Richmond, die Hauptstadt der (südlichen) "Konföderierten Staaten von Amerika", heftig umkämpft. Am 3. April 1865 fällt die Stadt in die Hände der nördlichen Truppen. Viele Quartiere gehen in Flammen auf. Offenbar wollten Soldaten der südlichen Armee dem Norden eine verbrannte Erde hinterlassen. Kurz nach dem Fall der Stadt kapituliert General Lee.
Am 15. April 1865, noch vor dem Ende des Krieges, wird Lincoln im Ford's Theatre in Washington erschossen.
Um 13.15 Uhr am 7. Juli werden die angeblichen Verschwörer auf dem Schafott in Washington gehängt. Zahlreiche Schaulustige haben sich eingefunden. Ob die 32-jährige Mary Surratt wirklich zu den Verschwörern gehörte, ist bis heute unklar.
Am 23. Juni 1865 kapitulierten die letzten konföderierten Truppen in Texas.
Empfohlene Literatur zum amerikanischen Bürgerkrieg: E. L. Doctorow, Der Marsch














































