USA
Heiner Hug

Viele Helden und eine Million Tote

Tausende Fotos aus dem amerikanischen Bürgerkrieg

Von Heiner Hug

Vor 150 Jahren tobt der amerikanische Bürgerkrieg. Es ist der erste militärische Konflikt, der fotografisch dokumentiert ist. Immer neue, teils spektakuläre Bilder tauchen auf.

Die Bibliothek des amerikanischen Kongresses ("Library of Congress") besitzt tausende Fotografien aus dem Bürgerkrieg. Die auf Glas gebannten Bilder werden laufend digitalisiert. Sie sind nicht nur ergreifende Dokumente des Bürgerkrieges, sondern ebenso phantastische Zeugnisse vom Anfang der Fotografie.

Am 7. Juli 1865 wird Mary Surratt und drei Männer in Washington die Schlinge um den Hals gelegt. Kurz darauf sind sie tot. Die vier waren beschuldigt worden, zu einer Gruppe von Verschwörern zu gehören, die das Attentat auf Präsident Lincoln durchgeführt hatten.

Genau zwei Wochen vor dieser Exekution ist der amerikanische Bürgerkrieg zu Ende gegangen.

Die Hinrichtung ist ein symbolisches Ende des Bürgerkrieges (Sezessionskrieges), der fünf Jahre gedauert hat.

Vor der Exekution

Vor der Exekution. Mary Surratt, Lewis Powell, David Herold und George Atzerodtund warten auf die Hinrichtung. Das Bild wurde am 7. Juli 1865 von Alexander Gardner aufgenommen. Gardner gehört zu den bekanntesten Fotografen des Bürgerkrieges.

Der Anfang

Nach der Wahl von Abraham Lincoln zum US-Präsidenten treten elf Südstaaten aus der Union (den USA) aus. Sie bilden die "Konföderierten Staaten von Amerika" (Confederate States of America, CSA). Der Süden fürchtet, dass mit Lincoln die Sklaverei abgeschafft würde. Der jetzt beginnende Krieg zwischen der Union (den nördlichen Staaten) und der Konföderation (den südlichen Staaten) fordert fast eine Million Tote (970'000) und 400‘000 Verwundete.

Fort Sumter, 1861

Alles beginnt am 12. April 1861. Konföderierte Truppen der Südstaaten beschiessen Fort Sumter im Hafen von Charleston (South Carolina). (Siehe Krte unten) Präsident Lincoln beruft 75‘000 Soldaten ein, um den Aufstand der Südstaaten niederzuschlagen.

Fort Sumpter

Fort Sumter. Fotografiert nach Kriegsende von Mathew B. Brady.

Der Krieg, der jetzt beginnt, wird mehr amerikanische Tote fordern, als jeder andere Krieg, an dem amerikanische Soldaten beteiligt sind.

War News

War News. New Yorker stürzen sich auf dem Broadway auf die letzten Neuigkeiten von der Front. Publiziert wahrscheinlich zu Beginn des Krieges 1861. Autor unbekannt. Die Library of Congress verfügt nicht nur über Fotografien, sondern auch über Tausende zeitgenössischer Gravuren und Zeichnungen.

Schlacht von Fredericksburg, 1862

In der Schlacht von Fredericksburg (Virginia), die vom 11. bis 15. Dezember 1862 stattfindet, erleiden die nördlichen Unionstruppen eine weitere Niederlage. Auch später wird in Fredericksburg und seiner Umgebung gekämpft, so im Mai 1863 und im Mai 1864.

Fredricksburg burial

Fredericksburg (Virginia): Begräbnis von Soldaten der nördlichen Unionstruppen am 19. oder 20. Mai 1864. Sie sind bei den Schlachten bei Wilderness und Spotsylvania Court House in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt gefallen. Fotograf unbekannt.

Präsident Lincoln, auch Oberbefehlshaber der Nord-Armee, besucht immer wieder seine Truppen.

Lincoln

Das Bild zeigt Lincoln am 3. Oktober 1862. In Antietam (Maryland) trifft er Offiziere und Soldaten. Fotograf: Alexander Gardner.

Gettysburg, Juli 1863

Vom 1. bis 3. Juli 1863 findet die Schlacht von Gettysburg statt. General Robert Lee, der Oberbefehlshaber der konföderierten Truppen der Südstaaten, versucht, Maryland und Pennsylvania zu erobern. Er scheitert. Diese Niederlage gilt als Wendepunkt im Krieg.

Gettysburg

Gettysburg: Die Toten des ersten Tages. Fotografiert im Juli 1863. Fotograf unbekannt. Das Bild zeigt Soldaten der nördlichen Unionsarmee. Sie fallen am ersten Tag der Schlacht von Gettysburg.

Gettysburg

Gettysburg, toter Scharfschütze der konföderierten südlichen Truppen beim "Devil's Den. Fotografiert von Timothy H. O'Sullivan im Juli 1863. Die Unionstruppen gaben dem Bild den Titel "Home of a rebel sharpshooter".

Gettysburg Gravur

Die Schlacht von Gettysburg. Gravur, angefertigt 1870 von P.F. Rothermel.

Die einen zeichnen noch, die andern fotografieren schon.

Harper's

Alfred R. Waud, Zeichner von Harper's Weekly, hält Szenen aus der Schlacht um Gettysburg fest. Fotografiert wird er von Timothy H. O'Sullivan im Juni 1863.

Gettysburg

Gettysburg, Juli 1863. Fotograf: Alexander Gardner. Getötete Soldaten der Süd-Armee.

Der amerikanische Bürgerkrieg ist der erste Krieg, in dem die Eisenbahn eine wichtige Rolle spielt.

Gettysburg, Zug

Ein Personenzug und ein Güterzug an der Hannover Junction in Pennsylvania nahe bei Gettysburg. Fotografiert im Juni oder Juli 1863. Fotograf unbekannt.

John Burns, der "Held von Gettysburg" hatte schon am britisch-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teilgenommen. Im Alter von 70 Jahren beteiligt er sich auf Seiten der nördlichen Unionsarmee an der Schlacht von Gettysburg. Er wird verwundet und überlebt.

Gettysburg

Mit Krücke und Gewehr. John L. Burns, der alte Held von Gettysburg erholt sich von seiner Verwundung. Publiziert in New York im Juli 1863. Bild aus Brady's National Photographic Portrait Galleries.

Kriegsnews

Nahe der Schlachtfelder werden Zeitungen mit den letzten Kriegsnews verkauft. Das Bild wurde von Alexander Gardner im November 1863 in Meade (Virginia) aufgenommen. Die Glasplatte zerbrach später.

Bürgerkrieg

Eine unbekannte Frau mit dem Foto eines Südstaaten-Soldaten. Fotograf: unbekannt. Publiziert zwischen 1861 und 1865.

Chattanooga, 1863

Vom 23. bis 25. November 1863 findet die Schlacht von Chattanooga (Tennessee) statt. Die nördlichen Unionstruppen erringen einen entscheidenden Sieg und kontrollieren jetzt ganz Tennessee.

Chattanooga, Prisoners

Chattanooga (Tennessee). Festgenommene Soldaten der südlichen konföderierten Armee warten auf den Abtransport nach Norden. Publiziert 1863.

Während des fünfjähriges Krieges stehen sich zwei Persönlichkeiten gegenüber, die noch heute in den USA verehrt werden: Ulysses Grant und Robert Lee. Die nördlichen Unionstruppen werden lange Zeit von Generalleutnant Ulysses Grant kommandiert. Grant wurde später (von 1869 - 1877) der 18. amerikanische Präsident.

General Grant

Ulysses S. Grant, Generalleutnant der nördlichen Unionstruppen. Nach den gewonnenne Schlachten bei Vicksburg und Gettysburg wird er von Präsident Lincoln zum Oberbefehlshaber der nördlichen Streitkräfte ernannt. Grant hat wesentlichen Anteil am Sieg des Nordens. Publiziert von Harris & Lubrecht, Boston. Im Hintergrund sieht man Szenen aus den gewonnen Schlachten von Vicksburg und Appomattox.

General Robert Lee führt die Armee der Südstaaten.

Lee

Robert E. Lee mit G.W.C Lee (links) und Walter Taylor (rechts). Publiziert in den 1860er-Jahren. Trotz seiner Niederlage wird Lee noch heute in weiten Teilen der USA bewundert.

Fort Sanders, 29. November 1863

Bei Fort Sanders in Tennessee erzielen die Unionstruppen einen entscheidenden Sieg. Die Schlacht findet am 29. November 1863 statt.

Fort Sanders

Die Schlacht um Fort Sanders, 29. November 1863

Petersburg, März 1865

Vom 9. Juni 1864 bis 25. März 1865 graben sich beide Truppen in Petersburg (Virginia) ein. Der Krieg ist schon fast zu Ende.

Exekution Johnson

Exekution von William Johnson in Petersburg (Virginia). Aufgenommen am 20. Juni 1864 von Timothy O'Sullivan. Johnson war ein schwarzhäutiger Soldat, der von den Unionstruppen desertierte und sich offenbar an einer weissen Frau verging.

Drums

Die Band der 114. Pennsylvania Infanterie-Armee, aufgenommen im August 1864 bei Petersburg (Virginia). Fotograf: unbekannt.

Richmond

Wenige Tage vor der Ermordung von Präsident Lincoln ist Richmond, die Hauptstadt der (südlichen) "Konföderierten Staaten von Amerika", heftig umkämpft. Am 3. April 1865 fällt die Stadt in die Hände der nördlichen Truppen. Viele Quartiere gehen in Flammen auf. Offenbar wollten Soldaten der südlichen Armee dem Norden eine verbrannte Erde hinterlassen. Kurz nach dem Fall der Stadt kapituliert General Lee.

Richemond

Richmond nach der Schlacht. Fotografiert im April 1865 von Andrew J. Russell.

Am 15. April 1865, noch vor dem Ende des Krieges, wird Lincoln im Ford's Theatre in Washington erschossen.

Lincoln Stuhl

In diesem Stuhl sitzt Abraham Lincoln, als er erschossen wird. Das Bild wurde kurz nach der Ermordung aufgenommen.

Funeral Car

Der Eisenbahnwagen von Präsident Lincoln. Nach seinem Tod wird sein Sarg darin transportiert. Deshalb wird der Wagen "funeral car" genannt. Foto: Russell, Andrew J., publiziert 1865.

Um 13.15 Uhr am 7. Juli werden die angeblichen Verschwörer auf dem Schafott in Washington gehängt. Zahlreiche Schaulustige haben sich eingefunden. Ob die 32-jährige Mary Surratt wirklich zu den Verschwörern gehörte, ist bis heute unklar.

Verschwörer

Foto von Alexander Gardner.

Am 23. Juni 1865 kapitulierten die letzten konföderierten Truppen in Texas.

Die Washingtoner Library of Congress tat tausende Fotos des Bürgerkrieges online aufgeschaltet. Klicken Sie HIER

Empfohlene Literatur zum amerikanischen Bürgerkrieg: E. L. Doctorow, Der Marsch

Sumter

Karte: stepmap.de/Journal21

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