Die Gewerkschaft Unia hat den Abstimmungskampf um die im September vors Volk kommende 1:12-Initiative mit einer Studie lanciert: 2012 bestand bei den 41 grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn ein Verhältnis von 1:135. Gemäss Unia lag dieser Faktor 2011 noch bei 1:120. Den wachsenden Abstand zeigen auch Zahlen des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB. Hier wurden nicht Tiefst-, sondern Durchschnitts- mit Toplöhnen verglichen. Sie verhielten sich 1984 wie 1:6, 1998 wie 1:14 und 2011 wie 1:93. Selbstverständlich lässt sich über die Methodiken dieser wie aller derartigen Erhebungen trefflich streiten. Nicht zu bestreiten ist hingegen die Tendenz; und die ist exorbitant. Soll also der Staat mit seiner Verfassung bei den Löhnen für nicht-anstössige Relationen sorgen, indem er tief in die Vertragsfreiheit privater Unternehmen eingreift? Die einen werden diese heikle Frage aus ordnungs- und wettbewerbspolitischer Sicht mit Nein, andere aus einem Empfinden für soziale Gerechtigkeit mit Ja beantworten. Der im Herbst fällige Entscheid des Souveräns wird sich aus vielen Pros und Kontras sowie aus widerstreitenden Emotionen herausschälen. Eines aber werden die Gegner der Initiative im Abstimmungskampf (leider) nicht überzeugend vorbringen können: dass die Wirtschaft ohne staatliche Bevormundung aus eigener Einsicht für Remedur sorgen werde. (Urs Meier)
Ups, wir werden ruhen
Von René Zeyer
Kaffee, Gipfeli, Tages-Anzeiger. Vielen UBS-Angestellten dürfte am Samstagmorgen der Appetit aufs Frühstück vergangen sein. Denn der Presse durften sie entnehmen, dass sie entlassen werden.
«Anpassungen bei den Mitarbeiterzahlen», so nannte das der VR-Präsident der UBS, Axel Weber, vor Kurzem bei einem öffentlichen Auftritt. Sein Posten sowie der des neusten und blässlichen CEO Sergio Ermotti sind davon natürlich nicht betroffen, genauso wenig wie die jeweiligen Millionengehälter. Was er nicht sagte: Bei der UBS sind offenbar die entsprechenden Entlassungslisten schon erstellt.
IT-Kahlschlag
Wenn der Bericht im «Tages-Anzeiger» zutrifft, soll vor allem im IT-Bereich abholzt werden. Das macht auch furchtbar Sinn, denn diese Infrastruktur ist keine Profitquelle. Sie sollte zwar sicherstellen, dass nicht ständig das Heiligste einer Bank, nämlich Kundendaten, abhanden kommen. Sie ist zudem die Basis fürs Controlling im superschnellen und brandgefährlichen Investment-Banking. Aber was soll’s, da entstehen nach Bankerlogik ja höchstens Kollateralschäden. Solange der Bonus richtig berechnet wird, sehen moderne Banker da kein Problem.
Sinnvoll sparen
Die Fortsetzung eines falschen Geschäftsmodells, das die UBS bereits an den Rand des Abgrunds führte, wird die UBS von einer grossen unfähigen Bank zu einer kleinen unfähigen Bank schrumpfen lassen. Das falsche Geschäftsmodell heisst Investmentbanking. Zwei Zahlen sollen als Beweis genügen. Die UBS zahlte von 2006 bis Ende 2010 an ihre Investmentbanker 34 Milliarden Dollar, obwohl diese in der gleichen Zeit einen kumulierten Verlust von 44,8 Milliarden Dollar einfuhren. Der Ausflug ins angelsächsische Zockercasino brachte also der Bank, nicht den Bankern, nichts als einen Riesenschaden ein. Jede zurechnungsfähige Firma würde sich von einem solchen Verlustbringer so schnell wie möglich trennen.
Warum dann nicht?
Gegen diesen richtigen Entscheid stehen natürlich die angelsächsischen Banker innerhalb der UBS, die die Schweizer Traditionsbank gekapert und schon mehrfach beinahe gegen die Wand gefahren haben. Schnell und gut quatschen, nichts liefern. Diesem Typus entspricht offenbar auch die britische IT-Chefin der Bank. Während das klassische Schweizer Bankgeschäft durchaus Gewinne abwirft, wird trotz des jüngsten Milliardenverlusts in London eisern am Investmenbanking festgehalten. Warum? Nun, zunächst einmal ist auch UBS-Boss Ermotti Investmentbanker.
Todesfalle USA
Die UBS hat in den USA in den letzten Jahren insgesamt eine runde Milliarde Dollar alleine an Bussen bezahlt. Diverse Multimillionen-Prozesse im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Finanzkrise 1 sind noch pendent. Wie schon Ermotti-Vorvorvorvorgänger Ospel schmerzlich erfahren musste, sind schweizerische Banken mit ihrer Tradition und Mentalität offensichtlich nicht in der Lage, im Wild-West-Saloon ennet des Teichs mitzuspielen, ohne ständig beim nächsten Shoot-out durchlöchert zu werden. Da diese Löcher aber von der Bank, genauer vom Aktionär, gestopft werden müssen, während der Cowboy mit seinen unverdienten Bonusmillionen in den Sonnenuntergang reitet, gibt es für angelsächsische Mitarbeiter der UBS keinen Grund, nicht den nächsten Whiskey an der Bar zu bestellen.
Falscher Werbespruch
Es ist höchste Zeit für die UBS, ihren aktuellen Werbespruch «wir werden nicht ruhen» um ein Wort zu verkleinern - zu: «Wir werden ruhen.» Denn wie die mögliche Verkleinerung des Mitarbeiterstammes um ein Sechstel dazu beitragen soll, dass Investoren und Anleger Vertrauen in die seit Jahren schlingernde Bank fassen sollen, ist schleierhaft. Und die eigentlichen Besitzer, die zum Teil vor Jahren in eine seriöse und stabile Schweizer Traditionsbank investierten, dürfen sich darauf gefasst machen, dass der Aktienkurs von aktuell 11.90 Franken noch weiter runterrauscht. Dabei stand er vor nicht mal 5 Jahren noch auf stolzen 75 Franken.
Wie weiter?
Die Wiederholung von Fehlern führt gnadenlos zur Wiederholung von Ergebnissen. Entscheidungen über die zukünftige Strategie einer Bank werden vom Verwaltungsrat getroffen. Wenn dieser Kahlschlag alles ist, was dem neuen VR-Präsidenten Weber, ein Einstandsgeschenk von 4 Millionen und ein halbes Jahr Arbeit später einfällt, um die UBS wieder «zur ersten Adresse» im Schweizer Banking zu machen, dann gute Nacht. Dann kann der letzte Mitarbeiter noch einen Screenshot machen, bevor auch er seinen Computer herunterfährt. Allerdings: Wie viele von Entlassung bedrohte IT-Techniker werden schon jetzt auf diese Idee zur finanziellen Sicherung ihrer Zukunft kommen?






















