In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
Stimme der Südschweiz
Journal 21 möchte dazu beitragen, dass wir unseren südlichen Kanton besser verstehen. Deshalb haben wir mit dem deutschsprachigen Tessiner Magazin TES eine Zusammenarbeit vereinbart.
Journal 21 wird in loser Folge Beiträge von TES publizieren. Umgekehrt wird TES Artikel aus Journal 21 veröffentlichen.
Zwar liegt nur ein 17 Kilometer langer Tunnel zwischen dem Tessin und der Deutschschweiz. Doch in der Deutschschweiz kennt man den südlichen Nachbarkanton kaum.
"Für die Deutschschweizer ist das Tessin die Perle der Schweiz, ein Ferienkanton. Sonst nichts." Das sagte schon vor 35 Jahren ein gewisser Marco Solari. Das hat sich kaum geändert.
Das Tessin-Bild der Deutschschweizer ist mit Klischees beladen: Polenta und Grotti, Lago Maggiore und Rustici, Merlot und Kastanien. Wir bewundern die Landschaften, die Seen, die Täler und Berge. Mario Botta kennen wir noch - und natürlich auch das Filmfestival von Locarno.
Aber sonst wissen wir wenig. Die Tessiner Kultur kennen wir kaum. Wer hat schon einen Tessiner Schriftsteller wirklich gelesen? Wer liest schon eine Tessiner Tageszeitung? Die Tessiner Politik? Undurchsichtiges Gerangel, interessiert mich nicht.
Dafür betonen wir die negativen Aspekte. Der Kanton habe seine Identität, seine Seele verloren. Lugano und Locarno seien "verdeutschschweizerisiert".
Nur wenige nehmen sich die Mühe, unsere Südschweizer Freunde zu verstehen, ihre Errungenschaften zu sehen, ihre Probleme auch. Italienisch können wir ohnehin nicht. Müssen wir auch nicht können, in Lugano und Rimini spricht man ja Deutsch.
Anstatt zu klagen, dass das Tessin in der deutschen Schweiz nicht wahrgenommen wird, haben einige junge Tessiner die Initiative ergriffen und ein neuartiges Magazin lanciert. Ein Magazin, das in erster Linie für die Deutschschweizer bestimmt ist. Ziel ist es, die Nord-Süd-Achse zu beleben.
TES wird alle Monate publiziert und ist am Kiosk oder über Abonnement erhältlich. Heute Dienstag erscheint die dritte Ausgabe.
Das Magazin will wichtige nationale und internationale Themen aus Tessiner Sicht beleuchten. Und natürlich behandelt TES zahlreiche Tessiner Themen. So will man Vorurteile und Klischees abbauen.
Mit dieser Zusammenarbeit möchte Journal 21 einen Beitrag dazu leisten, dass das Tessin eben nicht nur als Wurmfortsatz der deutschen Schweiz betracht wird, sondern als wertvolle, eigenständige Region - eine Region mit viel Potential.
Wir beginnen heute mit der Publikation eines Artikels über Lugano und Zürich, "zwei Städte, um die uns die Welt beneidet".
Wir freuen uns, dass diese Zusammenarbeit zustande gekommen ist.
Journal 21
http://www.tesmagazine.ch
Email: info [at] tesmagazine [dot] ch























