In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
Sprach-Akrobatik [53]
Geld in die Kassen spülen – wie geht das eigentlich?
Kaum eine Nachrichtensendung und kaum ein aktueller Kommentar, in dem nicht davon die Rede ist, dass irgendwo in irgendwelchen Zusammenhängen wieder „Geld in die Kassen gespült“ wird. Die Wendung erfreut sich – wenigstens in deutschsprachigen Medien – grosser Beliebtheit. Um das zu prüfen, braucht man die Formel nur in der Google-Suche einzugeben – und schon stösst man auf unzählige Texte, in denen munter Millionen und Milliarden in alle möglichen Kassen gespült werden.
Das mag für die Empfänger erfreulich sein - und trotzdem stört es das sprachbewusste Gemüt. Denn das Bild ist nicht bloss schief, es stimmt einfach nicht. Kann sich jemand vorstellen, wie genau Geld (zum Beispiel Tausende von Banknoten) in eine Kasse gespült werden soll? Wenn das Verb „spülen“ sinnvoll sein soll, dann müsste ja irgendwie Wasser oder sonst eine Flüssigkeit mit im Spiele sein – und dann wären die kostbaren Banknoten schnell futsch oder zumindest schwer beschädigt.
Auch wenn wir uns die Sache etwas abstrakter vorstellen und annehmen, das Geld werde via Banküberweisung auf ein Konto transferiert, stimmt das Bild nicht. Was, bitte, hat eine Banküberweisung mit spülen zu tun? Es gibt nur eine überzeugende Lösung für das Problem: Die falsche Geld-Spül-Metapher vermeiden.
Natürlich sind Metaphern für eine lebendige, anschauliche Sprache wichtig. Sehr häufig stösst man in diesen Zeiten der weitverbreiten Wirtschafts- und Schuldenkrisen zum Beispiel auf die Wendung vom „stotternden Wirtschaftsmotor“. Kein besonders originelles und vom vielen Gebrauch schon ziemlich ausgelaugtes Sprachbild zwar. Aber es ist sachlich wenigstens stimmig, wie jeder Zeitgenosse, der je mit einem stotternden Motor zu tun hatte, bestätigen wird.
R. M.






















