Journal21

Sprach-Akrobatik [53]

Gedanken zur deutschen Sprache

Geld in die Kassen spülen – wie geht das eigentlich?

Kaum eine Nachrichtensendung und kaum ein aktueller Kommentar, in dem nicht davon die Rede ist, dass irgendwo in irgendwelchen Zusammenhängen wieder „Geld in die Kassen gespült“ wird. Die Wendung erfreut sich – wenigstens in deutschsprachigen Medien – grosser Beliebtheit. Um das zu prüfen, braucht man die Formel nur in der Google-Suche einzugeben – und schon stösst man auf unzählige Texte, in denen munter Millionen und Milliarden in alle möglichen Kassen gespült werden.

Das mag für die Empfänger erfreulich sein - und trotzdem stört es das sprachbewusste Gemüt. Denn das Bild ist nicht bloss schief, es stimmt einfach nicht. Kann sich jemand vorstellen, wie genau Geld (zum Beispiel Tausende von Banknoten) in eine Kasse gespült werden soll? Wenn das Verb „spülen“ sinnvoll sein soll, dann müsste ja irgendwie Wasser oder sonst eine Flüssigkeit mit im Spiele sein – und dann wären die kostbaren Banknoten schnell futsch oder zumindest schwer beschädigt.

Auch wenn wir uns die Sache etwas abstrakter vorstellen und annehmen, das Geld werde via Banküberweisung auf ein Konto transferiert, stimmt das Bild nicht. Was, bitte, hat eine Banküberweisung mit spülen zu tun? Es gibt nur eine überzeugende Lösung für das Problem: Die falsche Geld-Spül-Metapher vermeiden.

Natürlich sind Metaphern für eine lebendige, anschauliche Sprache wichtig. Sehr häufig stösst man in diesen Zeiten der weitverbreiten Wirtschafts- und Schuldenkrisen zum Beispiel auf die Wendung vom „stotternden Wirtschaftsmotor“. Kein besonders originelles und vom vielen Gebrauch schon ziemlich ausgelaugtes Sprachbild zwar. Aber es ist sachlich wenigstens stimmig, wie jeder Zeitgenosse, der je mit einem stotternden Motor zu tun hatte, bestätigen wird.

R. M.

Kommentare

Das Bild ist natürlich stimmig; es ist nicht Wasser oder sonst eine Flüssigkeit im Spiel, das Geld selber ist die Flüssigkeit. Nicht umsonst heisst es Geldfluss, Cash Flow und liquide Mittel. Wenn man ausreichend davon hat, wird man sogar selbst liquid. Man kann auch darin baden, was jeder weiss, der so reich wie Dagobert Duck http://linkepower.files.wordpress.com/2012/03/dagobert.jpg?w=298&h=300 ist.

In den letzten Jahren "spülen" die dummen, unfähigen, gierigen Bankschurken "fast wirklich" Milliarden "den Bach runter". Ja,ja, darum "stottert" halt auch der "Wirtschaftsmotor"! ;-)

Einverstanden: Die Geld-Spül-Metapher ist sachlogisch im Wortgebrauch nicht stimmig. Aber auch das Weisswaschen von Schwarzgeld hat mit Wasser nichts zu tun - ausser man versuche es wenig zielführend mit der Waschmaschine oder mit dem Geschirrspüler. Ebenso wenig fliesst der Strom der Gläubigen, der die Kathedrale füllt, in einem Flussbett. "Geld in die Kasse spülen" mag abgegriffen und logisch falsch sein. Aber die Metapher weckt doch eindeutige Gefühle!

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