In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
29. Mai 2011, 14:28, Journal21
Sprach-Akrobatik:
Hans-Ulrich Jörges, stv. Chefredaktor des „Stern“ im Artikel „Griechenland, wir kommen“.
Neuschöpfung im „Stern“: „abgeurlaubt"
„Was haben die Griechen schon, um ihre Schulden zu bezahlen? Sonne und Meer. Also machen wir daraus den ultimativen Rettungsplan. Die Milliarden werden einfach abgeurlaubt… Mit den Portugiesen, Spaniern und Iren können wir das dann im Prinzip genau so machen. Stellen Sie sich das mal vor: Auf Mallorca werden Schulden abgefeiert, in Portugal abgegolft und in den irischen Pibs abgetrunken".
("Stern" Nr.22,26.5.2011)
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