Europa
René Zeyer

Neues aus der Irren-Anstalt

Eine Geld-Sintflut soll absaufende Staaten retten

Von René Zeyer

Griechenland geht das Geld aus, aus Spanien rennt’s davon. Italien und auch Frankreich wackeln. Neue Glanzidee: Dann lasst uns einfach unbegrenzt Geld herstellen. Ein 1.-August-Kracher ist dagegen eine nachhaltige Massnahme.

Auf die Idee kann nur ein Europolitiker kommen. Soll doch der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) eine Bank werden. Dann kauft er massenhaft Staatsschuldpapiere auf, hinterlegt die als Sicherheit bei der Europäischen Zentralbank (EZB), die ihm dafür à gogo frisches Geld leiht. So sinken die Schuldzinsen für Spanien und Co., die Märkte beruhigen sich, den Spekulanten wird das Handwerk gelegt. Stimmt nicht, geht nicht, löst aber Begeisterung aus. Vor allem in Spanien, Italien und Frankreich.

Euro-Fantasienland

Dass Griechenland auf dem Markt überhaupt kein Geld mehr geliehen bekommt und dass Spanien über 7 und Italien über 6 Prozent Zinsen zahlen müssen, hat seinen Grund. Griechenland ist nämlich pleite; und wer es noch wagt, Spanien oder Italien Geld zu leihen, will dafür eine anständige Risikoprämie. Alle drei Länder haben nicht in erster Linie Geld-, sondern Strukturprobleme. Und die werden logischerweise nicht mit mehr Geld gelöst. Zumindest nicht in der realen Welt. Aber in Euro-Fantasienland will man’s probieren.

Reiner Selbstbetrug

Es hat schon seinen Grund, dass eine Notenpresse dem Zugriff von Politikern entzogen sein sollte. Weil man denen nämlich alles zutrauen kann und muss. Aber wem so ziemlich alle Verträge, Stabilitätskriterien, Eigenhaftung und selbst das Verbot, Euro-Mitgliedern aus der selbst verschuldeten Katastrophe zu helfen, völlig egal sind, wer jedes Wort, das er gibt, sofort bricht, der will natürlich auch an die Gelddruckmaschine. Selbst wenn er das nicht darf. Erleichternd kommt ja hinzu, dass die EZB bereits für über 200 Milliarden Euro Staatsschuldpapiere gekauft hat, wofür man alle Verantwortlichen ins Gefängnis stecken sollte. Also weiter im Selbstbetrug.

Geld ist Vertrauen

Wenn die nächste Billion nur einen Klick entfernt ist, und zum Auslösen nur ein paar kleine Hürden überwunden werden müssen, eben das Spielchen mit ESM und EZB, dann wird gerne vergessen, dass man so die Gelduntergangsmaschine anwirft. Da die Notenbank alleinige Herrin der Geldmenge ist, darf sie nur so viel Geld herstellen, wie mit Vertrauen abgedeckt ist. Und vor allem dürfen Staaten die Geldpresse nicht betätigen, wenn sie überschuldet oder gar zahlungsunfähig sind, weil sie jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt und Misswirtschaft betrieben haben. Das ist so, wie wenn man einen Drogenabhängigen mit Heroin überschwemmt, um ihn von seiner Sucht zu heilen. Bei Junkies und Staaten ist das Ergebnis nicht unähnlich.

Einmaleins

Schulden beinhalten das zukünftige Zahlungsversprechen. Dem wird vertraut, wenn mit Krediten Wertschöpfungsprozesse in Gang gesetzt werden, die die Rückzahlung plausibel erscheinen lassen. Die Wahnsinnsidee, die EZB via ESM im grossen Stil Staatsschuldpapiere aufkaufen zu lassen, hat zwei Auswirkungen. Kurzfristig sinken damit die Zinsen. Was weltweit niedrige Zinsen angerichtet haben, weiss man seit mehr als zehn Jahren: ein Desaster. Wenn man darauf noch die Herstellung einer Geld-Sintflut setzt, dann ist das mittelfristige Resultat genauso klar: eine unkontrollierbare Inflation, galoppierende Geldentwertung, völliger Vertrauensverlust, doppeltes Desaster.

Wer vertraut noch den Euro?

Geld beruht auf Vertrauen. Das kann man nicht oft genug wiederholen. Der Euro beruht auf dem Vertrauen, das man den vier grössten Garanten für diese Währung entgegenbringt: Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Zwei davon stöhnen bereits über exorbitante Zinsen für Staatsschulden, Frankreich wird sich ihnen demnächst anschliessen. Bleibt also noch ein einziger Garant. Der will verständlicherweise nicht die gesamte Last schultern, hält aber gleichzeitig verbissen an der Einheitswährung fest. Armes Deutschland.

Hirnrissig

Gerade die Staaten, die dank Niedrigzinsen auf Pump gelebt haben und Multimilliarden sinnlos verrösteten, sollen nun durch Niedrigzinsen dazu angehalten werden, überfällige Strukturreformen anzugehen, aufgeblähte Bürokratien abzubauen, ihre Steuersysteme in Ordnung zu bringen und wirtschaftlich wieder Tritt zu fassen. Und ja keine weiteren Multimilliarden sinnlos zu verrösten. Auf diese Idee muss man erst mal kommen. Was aber noch mehr verblüfft: Eine Reihe namhafter sogenannter Wirtschaftswissenschaftler halten das für eine gute Idee. Auch in dieser Zunft gibt es gewaltiges Sparpotenzial.

Kommentare

wer hat über seine Verhältnisse gelebt? Wenn ich so Unqualifiziertes höre, lese ich den Rest schon mit Vorurteil. Man sollte doch bitte differenzieren, wo das Geld geblieben ist, was damit gemacht wird, wer es bekommen hat, u.s.w. Ansonsten ist die Kritik an den Politikern richtig. Man frage aber doch bitte, wem unserer aller Politiker hörig sind. Sie sind nur Wasserträger der "Märkte" und alle wollen, dass die Völker Europas und die Völker vom Rest der Welt noch mehr ausgeblutet werden.Warum gibt es so viel Nahrungsmittelspekulationen???

Zum letzten Absatz: Genau! auf diese Ideen muss man erst mal kommen! Dann sehen wir uns an, wer darauf kommt - und das erst noch lauthals, in endlos Wiederholungen von sich gibt! Ich nehme nicht an, dass diese Leute keine Ahnung von dem haben was sie sagen. Es muss ihnen mindestens so klar sein wie dem kleinen Steuerzahler, dass diese Haushaltsstrategien nie aufgehen. Warum propagiert man sie trotzdem? Hofft man auf ein bald ausbrechendes Desaster, den Austand der Empörten, während dem die Spuren der Verantwortungsträger verwischt werden können? Sollen die Bürger von Europa als gewalttätiger Mob den Eliten die Entscheidung über den Euro, den entsetzlichen ESM, abnehmen und damit selbst zu Schuldigen werden, damit die wahren Verursacher sich klammheimlich aus der Verantwortung, sprich aus den Trümmern verabschieden können? Man kann die Zustände beleuchten wie man will, es ist kein Fitzelchen menschliche Vernunft mehr hinter den Manövern der Euroretter zu entdecken. Höchstens noch wirre Strategien, aus ebensolchen Hirnen entspringend, als Fahrpläne in einen Kollaps grösstmöglichen Ausmasses, mit so vielen Opfern wie möglich! Ich bitte zu bedenken, dass ganz Europa unter dem leiden wird, was die jetzt schon im Notfall keinesfalls Verantwortlichen und die in Zukunft sowieso durch totale Immunität Geschützten (ESM) sich noch ausdenken werden.

Liebe @ Frau Weidler, Sie haben da was falsch verstanden; Sie sollten nur ganz einfach diese Sendung im ZDF zuerst mal kurz ansehen, bevor Sie weitere Mutmaßungen zu Parallelitäten anstellen. Nichts weiter.

Lieber Gast,

ja, das wäre gut, wenn solche Titel verschwinden würden. Vermutlich befriedigt eine Sendung mit diesem Titel irgendwelche recht einfach gestrickten Gefühle. Ich kenne die Sendung nicht. Inhaltlich kann ich dazu also nichts weiter sagen.

Ich wundere mich jedoch, dass Sie zum einen diesen Artikel in die Nähe einer solchen Sendung rücken und frage mich, was Sie mir mit Ihrem Kommentar sagen wollen?

Dass, weil der Eine gleichgültig ist, der Andere es auch sein soll? Dass es sowieso keine Geige spielt, wie jeder für sich in eigener Verantwortung sich artikuliert? Diese Meinung teile ich nicht.

Grüße aus Berlin

Schon wieder ein neuer Furz aus dem Hut gezaubert. Zwar illegal aber scheissegal. Super Mario wirds schon richten.

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Verschuldung, Entwertung, … Krieg. Krieg? Sowas doch nicht im aufgeklärten Europa. Das dachte man seinerzeit auch im aufgeklärten Deutschland. Aber wenn ein Mensch plötzlich Hunger leidet und keine Perspektive mehr hat, dann wird er eben auf irgend eine Art und Weise kriminell. Es muss nicht Krieg sein, was da kommen könnte. Marodierende Banden, kriminelle Organisationen wie Mafias, welche Länder und Leute kontrollieren, Faustrecht , Darwinismus, Gesetzlosigkeit, rechtsfreie Räume …
Es scheint, dass solche Szenarien bei der EU in der untersten Schublade liegen.

@ Frau Weidler, gibts da im ZDF nicht auch so ne Sendung "Neues aus der Anstalt" ? Ich finde , die sollte auch ihren Titel ändern, oder?

Den Artikel finde ich super, die Headline missfällt mir sehr. Es wird Zeit, die Menschen, die an psychischen Krankheiten leiden, nicht mit Verhaltensweisen in Verbindung zu bringen, die von normalen Menschen in recht skrupelloser Manier ausgelebt werden.

Sie legen Wert auf Sprache! Tun Sie es bitte auch auf diesem Gebiet.

Gehen sie bitte sensibel mit Wörtern wie Irre - Irrenanstalt - Schizophrenie - und ähnlichen Begriffen um.

Man kann Menschen, die so handeln, als Psychopathen bezeichnen, da sie Macht ausüben und vor allem Macht genießen wollen.

Dieses Verhalten hat mit dem Irresein der Menschen, deren Leben oft mit erheblichen Einschränkungen und Isolation verbunden ist und leider, immer noch, auch mit einer solchen Headline, stigmatisiert wird, nichts zu tun.

Mit besten Grüßen aus Berlin

Clementine Weidler

Wo der Wahnsinn ins Kraut schiesst, findet die Vernunft keinen fruchtbaren Boden und Therapien können nur dann wirken, wenn die Patienten bereit sind zur Einsicht in ihr Verhalten und den Schaden, den sie damit anrichten, was den Handlangern der Renditefanatiker, den Alleswissern und Hellstsehern in Wirtschaft und Politik, im Glauben an ihre Allmacht und Unfehlbarkeit, nicht gelingt. Es wurde und wird am falschen Ort am meisten gespart: beim Denken.

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