Europa
René Zeyer

Macht endlich das Falsche richtig!

Warum die Krise nicht rückgängig gemacht werden kann

Von René Zeyer

Euroland ist abgebrannt. Weil noch die Kulissen stehen, sieht das nicht jeder. Aber der Point of no Return ist längst überschritten.

Wenn man die Ohren für einen Moment vor dem Gelaber der Eurokraten verschliesst, dann verschafft man sich Denkraum für eine grundsätzliche Betrachtung. Bei der Beurteilung wirtschaftlicher Entwicklungen ist die Identifikation des Punktes ohne Wiederkehr entscheidend. Ab wann und warum kann die Zahnpasta nicht mehr in die Tube zurückgequetscht werden? Ab wann ist es wie beim Mühle-Spiel: Wo man den nächsten Stein auch hinsetzt, weg ist er?

Zwei Schubkräfte

Der Euro war von Anfang an eine Fehlkonstruktion. Ungefähr so brauchbar wie ein Nachttopf, bei dem der Henkel innen angebracht ist. Diese Fehlgeburt erblickte zudem in einem Moment das Licht der Welt, als die verbrecherische Gratisgeld-Politik von Alan Greenspans US-Notenbank FED ein virtuelles Zockercasino in Schwung brachte. Das hätte im Euroraum nur durch entschlossenes staatliches Handeln kontrolliert werden können. Ein Ding der Unmöglichkeit, angesichts der entscheidungsunfähigen eurokratischen Strukturen.

Komplizenschaft

In der Finanzkrise 1 verlumpten zudem schon vorher massiv verschuldete Staaten, indem sie sich ins Elend spekulierende Banken retteten, statt sie pleite gehen zu lassen. Seither wanken diese tönernen Ungetüme ineinander verklammert wie zwei Ganoven, die gemeinsam ein Ding gedreht haben, dem Abgrund entgegen.

Der aussenstehende Beobachter, und das sind wir ja alle in einem immer demokratiefreieren Europa, flüchtet sich in die Hoffnung: Es wird doch einen Ausweg geben. Oder er sagt sich: Augen zu und durch. Jedes Schlamassel kann man doch irgendwie wegräumen, beseitigen, in seine Bestandteile zerlegen und auflösen.

Unabänderlich

Jede Krise hat ihren Point of no Return. Ob der durch fundamentale Fehlentwicklungen überschritten wird oder durch reine Zufälligkeiten, so wie die Schüsse in Sarajewo zum Ersten Weltkrieg führten, ist unerheblich. Entscheidend ist: Wurde er überschritten, könnte selbst das genialste Handeln in der besten aller Welten nichts mehr daran ändern.

Dann bleibt nur die letzte, perverse Hoffnung: Je schneller es kracht, desto grösser die Chance, dass die Entwicklung nicht im völligen Desaster endet. So gesehen waren der erzwungene «freiwillige» Schuldenschnitt bei Griechenland und die absurde 100-Milliarden-Hilfe an Spanien durchaus beförderliche Massnahmen.

Bitte mehr davon

Es ist keineswegs Zynismus, sondern Ausdruck des Wunsches nach dem am wenigsten schrecklichen Ende, dass man die Eurokraten auf den Knien bitten muss: Macht weiter so, gebt Vollgas. Flutet den Finanzmarkt nochmal mit mindestens einer Billion Euro. Bringt Eurobonds in Umlauf. Nehmt Spanien sofort unter den Rettungsschirm. Italien und Frankreich gleich auch. Akzeptiert bedingungslos alle Wünsche nach Neuverhandlungen fest vereinbarter Schuldenabkommen.

Macht endlich das Falsche richtig. Kein Zögern mehr, keine Halbheiten. Keine wahltaktischen Schwiemeleien mehr. Haut richtig rein. Leider ist zu befürchten, dass die Eurokraten selbst dafür zu dämlich sind.

Aufatmen

Falls Europa nicht im völligen Desaster endet, wird das Aufatmen unüberhörbar sein. Nachdem endlich, endlich der Euro abgeschafft wurde, Pleitestaaten endlich, endlich bankrott gegangen sind. Bitter für Gläubiger, Sparer und Rentner. Aber immerhin: Man hat die Viecherei hinter sich, kann nach vorne arbeiten. Reiner, aber halt leider auch leerer Tisch, Neuanfang, man kann in die Zukunft schauen statt in Schockstarre auf unlösbare Probleme der Vergangenheit zu glotzen.

Dass es schnell genug kracht, ist die einzige Hoffnung, die man zurzeit haben kann. Sie ist zudem begründbar: Zu jedem beliebigen Zeitpunkt in den letzten zwei, drei Jahren wäre das Ende des Euro von heute aus betrachtet ein Segen gewesen. Wäre Schlimmeres verhütet worden, weniger Geld sinnlos verlocht, weniger Schaden entstanden.

Und die Schweiz?

Die Eidgenossen haben immerhin die letzten beiden militärischen Weltkriege einigermassen unbeschadet überstanden. Das gibt Hoffnung, dass sie auch den nächsten, der ökonomisch bereits begonnen hat, überleben werden. Die Schweiz hat den Point of no Return noch nicht erreicht. Doch zu viele Dummheiten wie das Festhalten an der Untergrenze zum Euro kann sie sich auch nicht erlauben.

Aber wenn als Nächstes noch die beiden ein Systemrisiko darstellenden Grossbanken kleingeschnitzt werden, aus der Immobilienblase die Luft rausgelassen wird, die Altersversorgungssysteme saniert werden, dann ist die Schweiz eigentlich, wie ein Banker sagen würde, gut aufgestellt. Zumindest darf man ja davon träumen.

Kommentare

Deutschland ist nicht die BRD, wenn sich dieses Land endlich eine Verfassung geben würde, hätte das Affentheater sofort ein Ende!

Hab gerade dies hier auf YT gesehen und wer auch immer dahinter steckt, hat absolut Recht. Dies ist kein freies Land, was diese Narren in der sog. Regierung machen, hat mit Deutschland nix zu tun.

Sollen die doch das Land mit über 2 Billionen (!) verschulden, dafür haftet eine Firma mit rund 25 T€ Eigenkapital. Und? Wen juckts, wenn die Pleite gehen?

Wird Zeit, dass dieses unzureichende, politisch korrekte Schulwissen endlich mal mit Tatsachen angereichert wird. Die BRD ist nicht Deutschland! Und die "Bewohner des Bundesgebietes" (O-Ton GG Art. 25 - NACHLESEN!) sind nicht frei!

Macht Euch endlich frei von diesem Kasperltheater und steht ein, für eine Verfassung, die den Namen auch verdient (nicht so wie das GG, welches NIE als Verfassung angelegt war!).

Im Ausland ist das schon lange bekannt, Leute. Schaut euch diesen Clip an und verinnerlicht, was dort präsentiert wird. DIE treffen nämlich den Kern, genauso ist es...

http://www.youtube.com/watch?v=e5ZTtO63VZU

MANN! Der Michel macht seinem Namen echt ALLE EHRE!

Penntüten...

In Ihrem Artikel sprechen Sie mir zwar emotional aus der Seele, weil ich dieses Affentheater der Eurokraten ebenfalls als unerträgliche Beleidigung meiner Intelligenz empfinde, jedoch sind Systemkritiker wie Sie auch auf einem Auge blind, wenn Sie immer davon ausgehen, dass sich das Verhalten der Eurokraten bloßer Dummheit oder Inkompetenz verdanken soll, dessen bereinigendes Scheitern dann endlich einen Neuanfang durch "we the people" ermöglichen soll.

NEIN! Wann lernen die Systemkritiker endlich, dass all das, was gerade geschieht, nicht aus Dummheit und Inkompetenz geschieht, sondern total planmäßig und bewusst?! Der Plan ist die völlige Zermürbung und Zerstörung der Nationen, die absolute Depression und Verzweiflung der Menschen, um aus dem Chaos die Neue Weltordnung hervor gehen zu lassen, nach der die verzweifelten Menschen dann als Erlöser von allen Übeln freiwillig betteln sollen.

Wann, frage ich, wann endlich kapieren das all die Systemkritiker der alternativen Medien??!!!

Unser wahrer Feind sind nicht die Politiker, Islamisten, Griechen oder sonstwelche Mitspieler im Divide-et-Impera-Spiel der Eliten, sondern die Blutlinie der Illuminati, die einflussreichsten Familien der internationalen Hochfinanz (Rothschild, Rockefeller und co.). Diese sind es, die uns seit Jahrhunderten systematisch in die Versklavung treiben.

Sie sprechen mir aus tiefster Seele. Das muß gesagt werden. Als Österreicher war ich von Anfang an gegen den EU-Beitritt, ich habe damals mit Nein gestimmt weil ich den Kommunismus und die Zentralwirtschaft schon laufen sah. Und Honecker hatte recht wenn er sagte, "den Kommunismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf" ...

Er hat es nur anders gemeint gehabt aber trotzdem einen großen Wahrspruch getätigt. Als überzeugter Österreicher war ich auch der Ansicht, daß ein Beitritt zur Brüsseler Kolchose mit unserer Neutralität "nach Schweizer Vorbild" wie im Staatsvertrag beschrieben nicht kompatibel wäre.

Keiner soll sagen die Geschichte wiederhole sich nicht. Wiederum wurde den Österreichern eingeredet wir seien zu klein um ohne "Anschluss" wirtschaftlich bestehen zu können. Und jetzt haben wir wie man so schön bei uns sagt "den Scherm = Nachttopf(mit innenliegendem Henkel) auf!"

Wenn ich heute in die Schweiz schaue, sehe ich wiederum uns Österreicher als die angepissten welche zu blöd waren aus der Geschichte zu lernen und sich schön neutral aus dem Irrsinn der Brüssler Zentralwirtschaft nach Moskauer Vorbild herauszuhalten.

Oft denke ich in Angesicht der Berichterstattung unserer gleichgeschalteten Medien alleine dazustehen und hier den kommenden Untergang einsam dräuen zu sehen - in solchen Situationen ist ein Artikel wie der Ihre Balsam. Wenn dadurch auch leider nicht der unabänderliche Ausgang der Katastrophe verhindert werden wird.

Diese gottverfluchten Eurokraten und EU-Einpeitscher die Österreich in dieses Desaster geführt haben gehörten wegen Verfassungsbruch und Bruch des Staatsvertrags allesamt international abgeurteilt!

Exzellent Herr Zeyer! Man kann leider nur noch sehnsüchtig auf den Zusammenbruch des Euros hoffen nachdem man sich Jahre vorher schon darauf vorbereitet hat - soweit es geht. In naiver Euphorie und der Erpressung neidischer Nachbarn Deutschlands haben der dikatorisch über seine Nation bestimmende Einheitskanzler und seine mit dubioser Vergangenheit behaftete Nachfolgerin mit der Aufgabe der DM und ihrem Eurofanatismus meinem Land schwer geschadet weil jetzt durch ein bankrottes Deutschland die europäische Wirtschaft insgesamt geschwächt weltwirtschaftlich in der Bedeutungslosigkeit versinken wird. Auch die Länder Frankreich und Großbritannien haben sich dadurch selber geschadet indem sie den Deutschen ihre DM weg nahmen. Die USA haben sich mit dem Globalisierungsgespenst, Goldman Sachs-Leuten und durch ihre Berater in den Schaltstellen aller europ. Nationen und Kremien nicht nur geschafft die Deutschen aufs dünne Glatteis zu führen sondern sich damit einen ganzen Kontinent als Wirtschaftskonkurrenten nicht nur monetär, sondern auch wirtschaftlich, auch durch die zügellose Einwanderungspolitikund und durch die militärische Destabilisierung im Nahen Osten geschafft den Wirtschaftsraum EU dauerhaft aus dem Rennen zu werfen. Den Welteinfluß teilen sich künftig USA und China/Russland. Wie töricht und naiv und verantwortungslos doch die deutsche Wiedergutmachungspolitik ist zu glauben man würde Deutschland lieben wenn es sich selbst zerstört.

Schön polemisch geschrieben. Aber das kann nicht über den fehlenden Sachverstand hinwegtäuschen.

Und wenn Europa gecrasht ist und ein Neuanfang beginnt, bleibt bei den Banken alles beim Alten, ausser dass sie ein wenig mehr Eigenkapital bereitstellen müssen? Oder müssen auch neue Derivate her? Menschwerdungsderivate? Ich befürchte die Abzocker haben ein Gen, dass sich zwar klonen lässt, aber umsoweniger wird es aus der Welt geschafft.

"… Eurokraten selbst dafür zu dämlich …"

Lieber Herr Zeyer,

vielen Dank für Ihren wie immer erfrischenden Text, ich hätte nur einen kleinen, aber – wie ich meine – entscheidenden Einwand gegen Ihre oben zitierten Worte über die angebliche Dämlichkeit der Eurokraten, die dem ganzen Schlamassel zugrunde liegt:

In Abwandlung eines bekannten Spruchs über eine Ente, formuliere ich es mal so: "Wenn etwas aussieht wie eine Spekulantenmarionette, so redet wie eine Spekulantenmarionette, so geht wie eine Spekulantenmarionette (nämlich bei den an der Krise gut verdienenden Banken ein und aus …) sowie politisch und wirtschaftlich so handelt wie eine Spekulantenmarionette, dan … ?" Genau: Dann IST es auch eine Spekulantenmarionette.

Es ist doch bezeichnend für die grenzenlose Verachtung, die die "Märkte" (= die Superreichen und die für sie mit und vorzugsweise gegen ganze Volkswirtschaften spekulierenden "Bankster") gegenüber ihren Mitmenschen empfinden, dass sie sich nicht einmal mehr die Mühe geben, ihre Marionetten zu tarnen, sondern sie direkt als "Technokraten" anstelle (vorgeblicher) politischer Repräsentanten mit Regierungsverantwortung installieren (s. Italien, Griechenland …) oder als "Berater" ihren Marionetten zur Seite stellen.

Andersherum gesagt: Wenn Sie seit 2008 bei jeder politisch-wirtschaftlichen Entscheidung eine Münze, z.B. einen Euro, geworfen hätten, und der wäre IMMER auf dieselbe Seite gefallen ("Zahl" für: der kleine Steuerzahler, der sein Einkommen mit seiner Hände Arbeit verdienen muss, zahlt.) … dann müssten Sie doch eigentlich auch zu dem Schluss kommen, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann.

Oder wenn der Kellner und der Chef im Restaurant sich IMMER zu Ihren Ungunsten aber zum eigenen Vorteil verrechnen?

Diese Entwicklungen sind KEIN Zufall und schon gar keine Dummheit, zumal die "Verantwortlichen" (also die, die zwar für ihre Last hoch bezahlt und mit fetten Pensionen oder "goldenen Fallschirmen" ausgestattet werden, sich aber eben gerade NIE verantworten müssen …), die sich schamlos als Marionetten der "Märkte" zu erkennen geben (wer ruft nochmal nachts um 1 die deutsche Kanzlerin an und diktiert ihr, dass sie gefälligst sofort mehrere Hundert Milliarden zur "Rettung" der Banken zur Verfügung zu stellen habe …?), ja auch immer fleissig Begründungen für ihr verbrecherisches Tun liefern: Sie handeln nicht aus Dummheit mal so oder mal so, das müsste nämlich statistisch gesehen zu einer Gleichverteilung der Möglichkeiten und Ergebnisse führen (s. Münzbeispiel), sondern mit der erklärten Absicht, eine "neoliberale" Ideologie durchzusetzen, die weder "liberal" noch "neo" ist, sondern dieselbe, die Politikermarionetten seit Anbeginn der Geldverwendung betreiben: den gesellschaftlich erzeugten Reichtum von unten nach oben zu verteilen.

mfG

Nicht so schnell aufgeben! Es ist aus psychologischer Sicht verständlich, wenn man eine unangenehme Situation möglichst schnell aus der Welt schaffen möchte, in dem man das vermeintlich Unausweichliche herbeisehnt, um dann Tabula rasa wieder neu beginnen zu können. Aber wir sollten nicht unsere individuelle psychologische Gesundheit über die physische Gesundheit Europas stellen. Nach einem Kollaps des Eurosystems sind wir einer Lösung der Frage nach einer funktionierenden Wirtschaftsordnung keinen Schritt näher gekommen, im Gegenteil: eine solche Situation würde uns Jahrzehnte zurückwerfen.

Die hohe Arbeitslosigkeit in manchen europäischen Ländern ist zu einem kleineren Teil strukturellen Problemen, und zu einem grösseren Teil der Globalisierung geschuldet, welche Arbeitsplätze aus dem Euroraum weg exportiert.

Die hohen Schulden mancher Staaten sind schlecht, weil sie die Abhängigkeit der Politik von den Finanzmärkten erhöhen, aber letztlich sind die eigentlichen Zahlen nur kugelrunde Nullen in der Buchhaltung und weit weniger gefährlich wie die Verelendung eines grossen Teils der Bevölkerung oder der Zusammenbruch gesellschaftlicher Strukturen.

Wir sollten uns also schleunigst daran machen, die Demokratie handlungsfähig zu erhalten, indem wir uns dafür einsetzen, dass hinter einer Banknote wieder zu 100% ein realer Wert steht, und nicht ein virtuelles Derivat von einem Derivat. Eine Bank darf kein Selbstbedienungsladen für deren Management mehr sein.

Dank der geringen Verschuldung, und dank der Minder-Initiative, sind wir dazu in der Schweiz in der Tat gut aufgestellt.

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