Ja bitte – aber nicht so!

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Ja bitte – aber nicht so!

Von Roger Anderegg, 26.07.2013

Unter dem Deckmantel abonnierter Zeitungen schleicht sich trotz „Werbung nein danke!“-Klebern Reklame zuhauf in unsere Briefkästen. Es braucht eine Bürgerinitiative.

Er hat es diesmal zwar nicht selber erfunden, aber er hat kürzlich empört auf den Missstand hingewiesen – messerscharf und wortgewaltig, wie er das ja brillant beherrscht. Im April dieses Jahres beschwerte sich Roger Schawinski im Blog des Online-Portals persoenlich.com unter dem Titel „Ich will diese Schmuggelware nicht!“ über kiloweise Prospekte, die er jeweils am Sonntag mit seinen vier abonnierten Sonntagszeitungen aus dem Briefkasten zieht – und in unverhaltenem Zorn ungelesen entsorgt.

Schawinskis Sonntagsärger blüht indes den meisten Zeitungslesern die ganze Woche über. Ungeachtet der Sommerflaute, legt die unverlangte Prospektflut in jüngster Zeit noch zu.

So überquillt etwa das im Hause Tamedia erscheinende „Tagblatt der Stadt Zürich“ selbst im heissesten Juli seit Jahren (genau am 24. des Monats) förmlich von Beilagen. Es sind diesmal sechs, vom Letzipark über das Bauhaus und Conforama bis zum Media-Markt, dazu der Interdiscount gleich im Doppel. Vergleicht man den Auftritt von Trägerorgan und Beilagen, so ist schnell klar: Das Erste dient lediglich als Container für unerwünschte Reklame. Hier der mathematische Beweis: Die fragliche Ausgabe des „Tagblatts“ wiegt insgesamt 320 Gramm, ohne Beilagen sind es gerade noch 75; der Umfang der Zeitung beträgt 44 Seiten, der der sechs Beilagen zusammen 120.

Der hübsche Trick des Tages-Anzeigers

Auch dem gefälligen Gratismagazin „Via“, mit dem die SBB ihre Kunden beglücken, liegen selbst im werbearmen Monat Juli zwei dicke Extras bei: das Wellness- und Freizeitmagazin „Fensterplatz“ mit 32 Seiten und die Kundenzeitschrift „astreaApotheke“ mit 48 Seiten Umfang – lauter unverhüllte Produktewerbung. „Via“ selbst bringt es in dieser Ausgabe gerade noch auf einen Umfang von 32 Seiten.

Doch die unerwünschten Reklame-Beilagen sind leider nicht nur ein Gratiszeitungs-Phänomen. Der „Tages-Anzeiger“, eine Bezahlzeitung mit hohem professionellen Anspruch, hält sich mit überbordenden Prospektpaketen vergleichsweise zurück. Als Ersatz hat man sich dort einen hübschen Trick einfallen lassen: Man reichert das Blatt mit sogenannten „Sonderbeilagen“ an, die sich frech als inhaltlichen Mehrwert aufspielen. Da ist dann jedes Thema willkommen, einmal „Die Frau“ generell, dann spezifisch die „Gesundheit der Frau“ und als nächstes, wenn wir schon dabei sind, die „Mundgesundheit“; einmal „Herz und Kreislauf“, dann „Cash and Credit Management“ oder auch „Digital Lifestyle“; nach „40 Plus“ folgt garantiert „50 Plus“ und droht auch schon „60 Plus“. So beliebig wie die Themen ist ihre Aufbereitung: dürftige PR-Texte mit Kaufappell. Wer das Angebot nicht nutzen will, kann an seinem Briefkasten gerne einen zweiten „Bitte keine Werbung!“-Kleber anbringen. Helfen wird das nichts.

"Mit oder ohne Müll?"

Selbst das ach so hochkarätige samstägliche „Magazin“ aus dem gleichen Haus ist sich nicht zu schade, sich als Prospektesel anzudienen. Da kann unser Geist lange Nahrung wollen (die uns das Produkt in seiner Werbung zu liefern verspricht) – was wir aus dem sonst so stilbewussten Heft an unverlangten Werbebroschüren herausschütteln, versorgt uns exakt mit dem Gegenteil.

So entsorgen denn landesweit Hunderttausende von Zeitungslesern täglich unbesehen Berge unverlangter Reklame. Abgesehen natürlich von den Werbern und den Verlagsmanagern, die alles aufmerksam durchblättern, aber nicht etwa aus Kaufinteresse, sondern lediglich aus Marketinggründen. Dass das sonst kein Mensch tut, hat ihnen offenbar noch niemand gesagt.

Da war der ehemalige Tamedia-Portier Bruno Klingler, heute 70, näher am Volk. 20 Jahre lang verkaufte der gelernte Koch im Nebenjob frühmorgens im Zürcher HB Zeitungen, in seiner unverwechselbaren Erscheinung und mit seinem monotonen Ruf „Züri-Ziitig? – Tagi?“ eine geradezu legendäre Figur. Bevor er ihnen die gewünschte Zeitung in die Hand drückte, fragte Klingler seine Klienten jeweils: „Mit oder ohne Müll?“ Acht oder neun von zehn Käufern verzichteten nach seiner Aussage dankend auf den ganzen Beilagensalat. Der respektable Berg refüsierter Reklame ging unauffällig zur Entsorgung zurück an die Tamedia. Ob dort den Auftraggebern ein Preisnachlass gewährt wurde, ist nicht bekannt.

Wegen des massiven Abonnenten- und Inserateschwunds kämpft die bezahlte Presse um ihre Existenz. Das ist hinlänglich bekannt. Nur die notorische Schwatzbase Sven Epiney auf Radio SRF1 verweist noch immer jeden Morgen ungerührt auf die Stimmen aus dem „Schweizer Blätterwald“. Könnte dem Mann, der sich Redaktor nennt, vielleicht jemand sagen, dass in seinem vermeintlichen Blätterwald seit Jahren Kahlschlag herrscht?

Fällig wäre eine Bürgerinitiative

Diese Tatsache freut den zahlenden Zeitungsabonnenten, der um den Preis journalistischer Qualitätsarbeit weiss, am allerwenigsten. Deshalb hier ein Vorschlag zur Güte: Wenn die Zeitungsverleger selber nicht auf die Idee kommen, das in der Werbung offenbar reichlich vorhandene Geld in die richtigen Kanäle zu leiten, nämlich in ihr Blatt, dann müssen wir ihnen dabei tatkräftig beistehen. Fällig ist jetzt eine Bürgerinitiative, die Unterschriften sammelt und den Verlegern mitteilt, dass die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen ihre abonnierte Bezahlzeitung fortan nur noch ohne beigelegte Prospekte zu empfangen wünschen und andernfalls mit aufrichtigem Bedauern auf eine Fortführung des Abos verzichten. Am besten mit Kopie an den Verband Schweizer Medien.

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Kommentare

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Der Artikel liest sich wie von einem frühpubertierenden Gymnasiasten geschrieben, der die Welt verbessern will.

Fakt ist doch, dass das Geld regiert und da kann keine (Wut-)Bürgerinitiative helfen. Die Beilagenblättchen bringen der Zeitung das Geld ein - Warum drauf verzichten? Im obigen Artikel kommt hierzu nur der Vorschlag "Es stattdessen in die richtigen Wege, nämlich die Zeitung (...) zu leiten". Aha, und dadurch verdient die Zeitung gleichviel, als wenn Sie Geld von Anzeigenkunden für Beilagen nimmt? Weil durch mehr Geld für die Redaktion a) Die Artikelmenge zunimmt? und/oder b) Die Artikel inhaltlich dadurch so viel besser werden, dass man mehr Abokunden aquirieren kann?

Das ist in meinen Augen phantasterei.

Zumindest solange es Werbeagenturen schaffen ihren Kunden einzureden, dass Zeitungsbeilagen wohl gelesen werden. Und bei einem festen Werbeetat mit entsprechendem Kommunikationsmix wird jeder Mediaberater das schaffen.

  1. July 2013, 12:03, Gast

Ich möchte der Aussage entgegentreten, dass für die Produktion dieser Werbeblätter (so nervig diese auch sind) tausende Bäume gefällt werden. Das ist falsch! Das Papier, bzw die Fasern die für die Herstellung dieses Papier verwendet werden, bestehen aus 100% Recycling Papier. Den Vorwurf mit den Bäumen müssten Sie konsequenterweise auch bei Ökoklopapier, Tageszeitungen und noch vielen weiteren Produkten, anwenden.

Im Haus meiner ersten Mietwohnung stand schon vor Jahren eine stabile Kiste für Altpapier direkt unter den Briefkästen. Ich fand das damals sehr praktisch und gleichzeitig vielsagend.

Nebenbei oute ich mich jetzt mal: Ich lese regelmäßig die Beilagen und ich habe sogar schon aufgrund der Werbung etwas gekauft. Gut, der entsprechende Baumarkt ist jetzt insolvent, aber das sind nur Details.

Nachdem die Branche jetzt die Bestätigung hat, dass Werbung WIRKT, wird der Terror nicht aufhören. Sorry dafür.

Immerhin kann Mann und Frau die selbst abonnierte Zeitung abbestellen. Versuchen Sie einmal die Flut an sogenannten "Gratiszeitungen", "amtlichen Publikationsorganen" und dergleichen Blätter mit ihren bemäntelnden Überschriften aus Ihrem Briefkasten rauszuhalten - Sie werden schnell feststellen, wie willkürlich und systemisch verantwortungslos Zeitungsverleger und die Vertriebe (beispielsweise die Post & deren Tochter Presto Presse-Vertrieb) in eingespielter Manier vorgehen. Wenn Sie eine unbestellte "Gratiszeitung" in Ihrem mit "Keine Werbung - Keine Wurfsendungen - Keine Gratiszeitungen" Briefkasten wieder und wieder entsorgt bekommen, und darauf dann handeln, werden Sie erfahren, dass Sie sich bei den entsprechenden Zeitungshäusern auf eine "Negativliste" zu setzen haben, um abzubestellen, was Sie nicht bestellt haben und folglich in ihrem beschrifteten Briefkasten entgegen ihrem Wunsch eingeworfen bekommen. Wenn Sie sich jetzt verwirrt fühlen, dann wissen Sie wie ich mich fühlte! Die Post selbst kann Sie nicht auf diese Liste setzten: Die müssen ihre Aufträge ausführen und dürfen von sich aus keine Ausschlussliste führen - auch wenn wir, die gemachten Konsumenten mit Briefkästen, dies von der Post wünschen. Dann heisst es: Eine "Gratiszeitung" ist keine Werbung (Argument zum "Bitte keine Werbung" Kleber) und die Post könne sich in diesem Falle nur an die von ihren Auftraggebern stets aktualisierte "Negativliste" halten. Zur Erinnerung: Der Briefkasten gehört zum Mietobjekt und ist Teil der vermieteten Wohnung. Wie fühlten Sie sich, wenn jeden Tag jemand Berge von Prospekten, Zettelchen und Zeitungen direkt in Ihre Wohnung schmeissen würde, ob Sie wollten oder nicht? Hier ist es halt täglich der Briefkasten und nicht die Wohnung. Noch nicht? Und dann heisst es beim Kundencenter der Post auch noch frech aber dafür in formal korrektem Ton: "Wenn Sie das Zugestellte nicht wollen, dann müssen Sie es bei denen künden, die uns dafür grosszügig bezahlen, dass wir Sie frustrieren, indem wir Ihnen liefern, was Sie nicht wollen. Hmm, ja wir verstehen Sie, das ist ärgerlich, aber hey, Ihre Zufriedenheit ist uns...!" Bei uns zu Hause klappts inzwischen - wir bekommen nur noch an uns persönlich adressierte Sendungen, so wie's sein sollte! Wir entsorgen inzwischen "merklich" weniger Altpapier und fühlen uns auch viel besser, weil wir jeden Tag beim Blick in den Briefkasten daran erinnert werden, dass "wir" über den Inhalt unseres Briefkastens bestimmen (können), uns nicht die Werbe- und Zustellbranchen. Mein Abschluss-Appell soll daher ein Anstoss für all die leidenden Papiermüllempfänger, und ein Plädoyer an die Gesellschaft samt CEO's sein: "Pro Selbstbestimmungsrecht - Contra Werbefeldzug"

Stimmt. Gerade lief wieder der nette bürgerliche Herr aus dem hinteren Haus mit einer großen Pappkiste an meinem Fenster vorbei zum Mülleimer. Die Kiste war voller bunter Prospekte. Das macht er einmal in der Woche. Nicht nur er.

  • Jeeves

Ich bin schon lange der Meinung, dass Papier viel zu billig ist. Das für all die Werbung, die jede Woche in einem normalen Hausbriefkasten landet und meist ungelesen weggeworfen wird, tausende Bäume gefällt werden, ist wirklich eine Schande.

Einige Zeitungen fasse ich mit spitzen Fingern am Rücken an und schüttele Sie über dem Papierkorb aus ...

An dem beschrieben Phänomen wird deutlich, dass Zeitungen meistens bloß Reichweitevermittler für Werbung sind.

Journalismus ist da bloß ein Feigenblatt ...

Im digitalen Bereich sieht es nciht anders aus - siehe das LSR in D: dabei ging es nie um Content , bloß um Klicks ...

... und dann diese schöne Kampagne gegen Adblocker die mich wieder daran erinnerte, selbigen wieder zu installieren ... ;-D

Zitat: "26. July 2013, 21:36, Gast Irgendwie müssen sich doch die Qualitäts-zeitungen finanzieren? Und wenn nicht mit Werbebeilagen, dann mit einem so happigen Abo-Preis, den sich kein Schwein mehr leisten kann und will."

seltsam..das uns dann auch noch im herftinneren massiv werbung entgegenstahlt....unjd je nach dem was für zeitungen oder magazine es sind ..biss zur hälfte der bedruckten seiten ausmachen .... und dazu kommt dann noch die eingelegte werbung.... mit dem hinweiß das man angeblich nur so stabile preise garantieren kann... sie gehören auch zu den leuten die diesen mist glauben... den managern der zeitungen und magazine geht es nicht um satbile abo und heftpreise..nö..sondern möglichst hohe renditen...manche versprechen bis zu 25 % rendite...und wie kann man die erreichen..genau... auf der einen seite bekommen journalisten immer weniger geld für ihre arbeit, werden oft genug ausgegliedert um ihre vergütung zu drücken....alles im namen der rendite

Was für ein dümmlicher Artikel! Auf der einen Seite über den Kahlschlag im Blätterwald jammern, auf der anderen Seite über die böse, böse Werbung schimpfen.

an alle die das witzig finden sollten sich mal überlegen was sie das entsorgen dieses mülles kostet ...und überlegen wieviele tonnen zusätzlichen papiermüll wir dadurch jedes jahr produzieren..und wieviel holz dafür unnötig gefällt und zu papier verarbeitet werden muss ..nur um ungelesen im müll zu landen..das ist umweltpolitische humbug...denn was sie beim satbilen abo sparen zahlen sie bei den steigen müllgebühren wieder drauf...!!!!!

Äëh? „Wenn die Zeitungsverleger selber nicht auf die Idee kommen, das in der Werbung offenbar reichlich vorhandene Geld in die richtigen Kanäle zu leiten, nämlich in ihr Blatt …“ Wie stellen Sie sich das vor Herr Anderegg? Sollen die mit viel Geld dies einfach so überweisen, ohne dafür Prospekte beilegen zu dürfen? Dass irgendjemand viel Geld hat, heißt ja noch lange nicht, dass es die bekommen müssen, die Geld nötig [zu] haben [glauben].

Kurzes Beispiel aus Deutschland (Köln, etwas weiter den Rhein runter):

Letzte Woche habe ich die Beilagen zum ersten Mal in diesem Jahr mit in die Wohnung genommen und durchgeblättert. Einige Discounter, ein Gartenmarkt, ein Baumarkt, der zwischenzeitlich Insolvenz angemeldet hat.

Dann ein Möbelgigant, der mit D. Katzenberger Werbung macht. Früher habe ich bei denen gekauft. Nun, da ich Frau Katzenberger nicht noch weiter alimentieren will, ist der Laden von der Liste gestrichen.

So kann Werbenmüll im Print auch nach hinten losgehen.

Und so etwas schönes wie Adblocker im Firefox gibt es für Briefkästen nicht.

Ach so lange die Inseraten glauben, ich würde mir den Mist wirklich anschauen, dafür ein paar Tausend € über den Tisch an den Verlag rüberschieben und dadurch mein Abopreis halbwegs stabil bleibt, kann ich damit leben, dass ich 10 Sekunden damit verbringe, alle Beilagen ungesehen in meinen Papiereimer zu kippen.

Es ist einfach eine Tatsache, dass sich die Werbeindustrie um die Wünsche der Adressaten foutiert. Konsequenz: möglichst so beworbene Produkte nicht kaufen! Aber ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass das wirklich etwas nützt.

Seit Jahren kämpfe ich gegen diesen ökologischen Unsinn - vergebens. Meine Briefe an die Zeitungsverlage bleiben meistens unbeantwortet. Seit die meisten Briefkästen mit dem Kleber "Bitte keine Werbung" versehen sind, bieten sich Zeitungen und Zeitschriften, gegen Bezahlung selbstversändlich, als Steigbügelhalter an, Werbung in die Briefkästen zu schmuggeln, darunter auch Zeitschriften, die sich als umweltbewusst geben. Was können wir tun? Würden Zeitungs- und Zeitschriftenverlage flächendeckend mit Protestbriefen eingedeckt, allenfalls mit der Drohung versehen, das Abo, mindestens vorübergehend, zu künden, könnte sich etwas bewegen. Ansonsten bliebe nur noch die vorgeschlagene Bürgerinitiative. Frage nur: wer organisiert das? Wie wär's mit dem Beobachter, oder einer Konsumentenschutzorganisation?

Es wird Zeit mit diesem Beilage-Blödsinn aufzuhören. Es ist eine Zumutung, wenn die Werbesachen dicker sind als die eigentliche Zeitung. Wir wollen nur noch Zeitungen ohne diesen Beilagenquatsch.

Irgendwie müssen sich doch die Qualitäts-Zeitungen finanzieren? Und wenn nicht mit Werbebeilagen, dann mit einem so happigen Abo-Preis, den sich kein Schwein mehr leisten kann und will.

Irgendwie müssen sich doch die Qualitäts-zeitungen finanzieren? Und wenn nicht mit Werbebeilagen, dann mit einem so happigen ASbo-Preis, den sich kein Schweiz mehr leisten kann und will.

Grundsätzlich mit den Ausführungen einverstanden. Aber das Problem ist doch ein anderes: Weshalb sind die Marketingleute der Werbeauftraggeber derart unkompetent/faul/verblendet (Zutreffendes ankreuzen), dass sie zu überteuerten Tarifen solche Produkte buchen? Haben sie wohl geheime Leserschaftsanalysen, welche beweisen, dass die Beachtung viel höher ist, als wir meinen? (Wohl eher nicht). Des Rätsels Lösung: Sie dürfen zusätzlich zum Inserat noch einen PR-Text oder ein Gefälligkeitsinterview platzieren (womit der Aufwand für die "Beilage" weiter sinkt). Und sie verkaufen dann intern diesen "redaktionellen" Beitrag als ihre PR-Leistung. Mit anderen Worten: Diese Beilagen dienen dazu, die Grenzen zwischen redkationellem Inhalt und Inserat aufzulösen. Die Journalisten der "Wirtszeitung" liefern die Glaubwürdigkeit für das Ganze und tun so, als ob sie die Schmuddelecke weiter hinten nichts anginge. Sie schimpfen gerne über die bösen PR-Leute, mit denen sie es zu tun haben, aber diesen Aspekt thematisieren sie nie (Ausnahme: journal21 natürlich). Es ist aber letztlich ein Pakt mit dem Teufel.

Diese Initiative würde ich umgehend unterschreiben. Es ist wirklich bemühend, diesen ganzen Quatsch aus den Zeitungen herauszuschütteln. Zum Glück ist das Einsammeln von Altpapier noch gratis. Wie lange wohl noch?

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