Wer jemandem Unrecht getan hat, sollte sich entschuldigen und/oder eine Entschädigung leisten. Im Falle der Verdingkinder und anderer Opfer administrativer Zwangsmassnahmen hat Frau Sommaruga dies unlängst im Namen des Bundesrates getan: Sie hat sich entschuldigt, von finanzieller Entschädigung hingegen wollte sie nichts wissen und schlug stattdessen einen Runden Tisch vor. Davon wiederum halten die ehemaligen Verdingkinder wenig. Zu lange warten sie schon. Jetzt wollen sie nicht nur symbolische Gesten, jetzt wollen sie Taten sehen. Und das heisst: Geld, auch wenn Geld seinerseits nach all den Jahren nicht viel mehr als symbolische Bedeutung haben kann. Erlittenes Leid lässt sich nicht mit Geld aufwiegen. Aber es bedeutet Anerkennung: Anerkennung des Unrechts und Anerkennung geleisteter Arbeit. Behörden und Gesellschaft haben jahrzehntelang von der Ausbeutung dieser Kinder profitiert. Nun wäre es an der Zeit, denen, die noch leben, zurückzugeben, was ihnen zusteht. Irland hat 1,28 Milliarden Euro an ehemalige Heimkinder bezahlt. Die Schweiz sollte sich an Irland ein Beispiel nehmen. (Klara Obermüller)
"Gefragt sind Innovation und Kreativität"
"Die Schweizer Unternehmer sind verunsichert, doch jede Veränderung bietet Chancen; diese gilt es zu packen." Dies erklärt Stefan Linder in einem Interview mit "Journal 21". Linder ist einer der Gründer des Swiss Economic Forums, das am Donnerstag und Freitag in Interlaken stattfindet.
Es gibt Wirtschaftsvertreter, die sagen, das Networking werde weit überschätzt. Das sei ein Hype von früher. Wie sehen Sie das?
Ich bin da ganz anderer Meinung. In einem persönlichen Gespräch läuft informell weit mehr ab als nur das austauschen von einer Visitenkarte. Aus meiner Erfahrung ist der persönliche Austausch und Dialog nach wie vor die beste und effizienteste Art, spannende Leute kennen zu lernen.
Aussenstehende sehen solche Anlässe ja vor allem als social event. Man muss – mit dem Champagnerglas in der Hand - zeigen, dass es einen gibt. Was sagen Sie diesen Kritikern?
Das SEF hat einen völlig anderen Charakter. Hier geht es um neue Impulse, spannende Diskussionen, Austausch von Praxiswissen unter Firmenchefs und gezielte Weiterbildung und Diskussion zu aktuellen Themen. Sie sollten man sehen wie angeregte Diskussionen stattfinden, wenn sich über 1000 Firmenchefs treffen.
Haben Sie konkrete Informationen darüber, wie viele Geschäftsabschlüsse dank Ihrem Forum abgeschlossen werden konnten?
Nein, das können wir höchstens schätzen. Wir wissen von zahlreichen Projekten, Joint-Ventures, Beteiligungen, Freundschaften welche am SEF entstanden sind. Beim SEF steht steht das Thema Geschäftsabschluss auch gar nicht im Fokus. Hier wird auch nichts verkauft und man wird auch nicht „akquiriert“. Das SEF ist durch und durch eine Networking-Plattform mit einem hochkarätigen Programm.
Sie stehen mit vielen Wirtschaftsvertretern in Kontakt. Haben die schweizerischen CEOs heute Angst vor der Zukunft?
Nein, Angst definitiv nicht, höchstens eine erhöhte Verunsicherung. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber. Der Unternehmer weiss, dass jeder Veränderung auch neue Chancen bietet. Wichtig ist dass man diese erkennt und packt. Der Schlüssel dazu ist Innovation und Kreativität.
Was beschäftigt die schweizerischen Unternehmer heute am meisten?
Wir haben eine spannende CEO-Umfrage auf das kommende SEF hin bei 100 führenden Firmenchefs durchgeführt. Bei den exportorientierten Firmen ist der starke Schweizer Franken eine grosse Verunsicherung. Die KMU haben den Vorteil, dass sie ganz kurze Entscheidwege haben und nah am Kunden und den Märkten sind, dies erlaubt es ihnen, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren. Die Umfrage hat deutlich aufgezeigt, dass Schweier Firmen eine hohe Priorität auf Asien setzen.
Ist das Problem der Frankenstärke nicht oft eine Entschuldigung, um von andern Problomen abzulenken, mangelnde Innovation zum Beispiel?
Ganz und gar nicht. Wenn ein Schweizer Unternehmen zu 70 – 90 Prozent die Produkte exportiert und innert kürzester Zeit sich ihre Produkte auf den internationalen Märkten wegen der Frankenstärke um 20 – 30 Prozent verteuert, ist die Konkurrenzfähigkeit vorbei. Man schafft es gar nicht in so kurzer Zeit strukturelle Massnahmen einzuleiten und die Kosten entsprechend zu senken oder die Produktivität in diesem Mass zu erhöhen.
Die Schweiz hat zum Beispiel in der Solarindustrie die Weiterentwicklung verschlafen. Wie innovativ ist die Schweizer Wirtschaft heute?
Die Schweiz zählt nach wie vor zu den innovativsten Länder der Welt. Dies ist eine echte und nachhaltige Stärke. In der Solarenergie waren wir vor 20 Jahren Weltspitze. Diesen Wissensvorsprung haben wir vermutlich schlecht genutzt und diesen Zukunftsmarkt den Chinesen, Amerikanern und Deutschen überlassen. Es gibt aber auch tolle Schweizer Firmen in dieser Industrie.
Das Forum findet zu einer Zeit statt, da Griechenland Europa und damit der Schweiz Angst macht. Wie weit wird dieses Thema jetzt in Interlaken abgehandelt?
Das wird einer der Schwerpunkte am diesjährigen Forum sein. Europa ist für die Schweiz der mit Abstand wichtigste Handelspartner. Hier müssen wir versuchen Antworten, mögliche Entwicklungen und Szenarien zu liefern. Entsprechend lassen wir 1 – 2 Referenten-Slots offen und definieren diese relativ kurzfristig, damit wir die Aktualität aufnehmen können.
Welchen wirtschaftlichen Nutzen hat das Berner Oberland von Ihrem Forum?
Der ist sehr grosse. Die Schweizer Wirtschaft trifft sich 2 Tage in dieser Region. Wir alleine buchen über 1000 Hotelzimmer. Nebst den 1250 Teilnehmenden stehen 450 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Zudem akkreditieren wir zwischen 100 – 120 Medienvertreter und verpflichten 40 – 50 Referentinnen und Referenten aus der ganzen Welt.
(Die Fragen stellte Heiner Hug)






















