Interview
SEF

"Es ist gefährlich, sich auf den Lorbeeren auszuruhen"

Vor der Eröffnung des 13. Swiss Economic Forums in Interlaken

Das Swiss Economic Forum, das am kommenden Donnerstag und Freitag erstmals ausschliesslich in Interlaken stattfindet, sei "absolut keine Cüpli-Veranstaltung, aber eine hervorragende Networking-Plattform". Das sagt Stefan Linder, einer der Gründer und CEOs des "Swiss Economic Forums", in einem Interview mit "Journal 21". Die Schweizer Wirtschaft befinde sich auf einem "unglaublich hohen Niveau". Doch Gefahr droht. "Ich hoffe, dass die Jungen realisieren, was aus Asien auf uns zukommt".

"Journal 21": Zum ersten Mal findet das SEF allein in Interlaken statt. Haben die Wirtschaft und der Kanton den Bau des neuen Auditoriums finanziell unterstützt?

Stefan Linder: Dank der grosszügigen Unterstützung diverser Anspruchsgruppen wie der öffentlichen Hand, (Kanton Bern zahlte, glaube ich, 6 Millionen) der Casino Kursaal Interlaken AG sowie anderer Leistungsträgern aus Hotellerie, Tourismus und Gewerbe aus der Region konnte die Investition von rund 25 Millionen Franken für den Neubau finanziert werden.

Welchen wirtschaftlichen Nutzen hat die Region Interlaken von dieser Veranstaltung? Haben Sie Zahlen?

Gemäss einer Studie bringt das Swiss Economic Forum rund 5.6 Mio. Wertschöpfung ins Berner Oberland. Am SEF werden über 1000 Hotelzimmer in Interlaken, Grindelwald und Spiez gebucht. Der grösste Nutzen ist jedoch die Imagekomponente für den Ort.

Stefan Linder

Stefan Linder, CEO und Co-Gründer des Swiss Economic Forums (SEF)

Sie haben in Interlaken ein grosses Auditorium. Aber eigentlich ist es ja schon zu klein. Sie mussten hunderte Interessenten abweisen. Wollen Sie sich weiter vergrössern?

Ja, wir haben als Veranstalter wirklich ein Luxusproblem. Die Nachfrage nach den Tickets ist jedes Jahr enorm. Wir haben uns vor sechs Jahren jedoch für eine Qualitätsstrategie entschieden und werden den Anlass nicht vergrössern. Die Plätze werden seit sechs Jahren notariell zugelost. Seit letztem Jahr ist die Nachfrage nochmals um 32 Prozent gestiegen. Qualitativ werden wir das Swiss Economic Forum jedoch gezielt weiter ausbauen und den Nutzen für die Unternehmer in der Schweiz laufend steigern.

Als CEO des SEF sind Sie mit der Wirtschaft in engem Kontakt. Welche Sorgen drückt heute die kleineren und mittleren Unternehmen?

Es sind ganz verschiedene Punkte, je nach Firmengrösse und Branche. Insgesamt macht den meisten Unternehmen, welche im Export tätig sind, der tiefe Euro- und Dollar-Kurs stark zu schaffen. Für viele Firmen sind die steigenden administrativen Aufwendungen ein echtes Problem.

Wie beurteilen Sie die Innovationsfreudigkeit der Schweizer Wirtschaft?

In diesem Bereich sind wir weltweit Spitze. Die Schweizer sind pragmatisch, haben viele gute Ideen und sind gut in der Umsetzung. Bei der Geschwindigkeit „Time to Market“ können wir sicherlich noch etwas zulegen. Dies ist sicher auch der Grund, weshalb die Schweiz in praktisch allen Innovations-Rankings auf den ersten Plätzen vertreten ist. Wir müssen jedoch in der Schweiz alles daran setzen, dass wir diesen Erfolgsfaktor beibehalten können.

Geht es uns nicht etwas zu gut, werden wir nicht etwas träge?

Ein Referent hat an einem vergangenen SEF in seinem Vortrag einmal den Satz geprägt „Satte Löwen jagen nicht“. Dies hat bestimmt viel Wahrheit drin. Wir sind auf einem unglaublich hohen Niveau. Die Geschichte lehrt uns, dass es immer sehr gefährlich ist, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Wenn Sie jedoch aufstrebende Länder wie China, Indien und Brasilien besucht haben, bekommen Sie gleich schlaflose Nächte. Diese Leute sind hungrig und bereit, 15 – 16 Stunden zu arbeiten und am Abend noch Englisch zu lernen. Ich hoffe sehr, dass die Jungen Leute dies rechtzeitig realisieren, was insbesondre aus Asien auf uns zukommt.

Welchen Rat geben Sie unseren KMUs?

Offen sein für Neues. Innovativ und Neugierig bleiben. Augen und Ohren offen halten, um rechtzeitig neue Chancen und Gefahren zu erkennen und sich mit der kommenden Konkurrenz aus dem Osten befassen. Es wird jeder betroffen sein hier in Europa.

„Networking“ ist ja das Zauberwort solcher Veranstaltungen. Wie muss man sich das vorstellen. Stehen da (smile) CEOs mit Champagnerglas herum, kommen aufeinander zu und – zack – eine Idee ist geboren?

Da unterscheiden wir uns am SEF gewaltig von anderen Veranstaltungen. Die Leute kommen zwei Tage nach Interlaken, um sich von spannenden Referaten und Themen inspirieren und sensibilisieren zu lassen und sich mit anderen Unternehmern auszutauschen. Wir haben einen Anteil von über 70 Prozent in der Funktion des CEO, Mitglied der Geschäftsleitung, VR und Inhaber. Um so viele spannende Gespräche in zwei Tagen zu führen, müssten Sie sonst praktisch drei Monate unterwegs sein. Das SEF ist absolut keine Cüpli-Veranstaltung. Aber eine hervorragende Networkingplattform. Die Ideen kommen oft schon in den Gesprächen, und wir wissen von vielen Projekten, Joint-Ventures, Innovationen etc., welche den Ursprung an einem der vergangenen SEF’s hatte.

Kann man den Erfolg des „Networking“ unmittelbar beziffern? Haben Sie Angaben, Zahlen zum Beispiel über Geschäftsabschlüsse?

Networking ist unglaublich schwierig zu messen. Es ist praktisch dasselbe Problem wie die Messung der Wirkung von Marketing und Werbung. Es kommt auch stark auf die Person an, was er für ein Potenzial aus all den Kontakten und Gesprächen realisieren kann. Auf jeden Fall ist es sehr bereichernd, sich mit spannenden Persönlichkeiten, Unternehmern, Politikern und auch Start-up-Firmen auszutauschen. Zudem haben wir bis jetzt bereits vier Hochzeitskärtchen bekommen, obschon der Frauenanteil noch bei tiefen 15 Prozent liegt...... (lacht)

(Mit Stefan Linder sprach Heiner Hug)

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