In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
Eine Maschine für moderne Musik
Von Dagmar Wacker
Die Paul Sacher Stifung feierte diese Woche ihren 25. Geburtstag. Sie wurde im Jahre 1986 gegründet.
Den Kern bildete damals das Archiv von Igor Stravinsky im ‚Haus zur Burg’ am Basler Münsterplatz. Inzwischen beherbergt es rund 110 Sammlungen und Nachlässe, betreibt quellenbezogene Forschung und hat sich international vernetzt mit anderen Stiftungen der neuen Musik.
Gefeiert wird der Geburtstag gleich zweimal: Einmal mit einem Symposium zu Fragen der Interpretation und Autorschaft, an dem neben den Grössen der zeitgenössischen Musik wie dem Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez und dem Oboisten Heinz Holliger, Musiker und Musikwissenschaftler aus dem In-und Ausland teilnahmen.
Für die der neuen Musik noch nicht zugewandten Zeitgenossen gibt es im Museum Tinguely eine Gelegenheit zu einer ersten Begegnung. Die findet auf eine spielerische und höchst amüsante Art statt, nämlich mit dem "Zwei-Mann-Orchester" von Mauricio Kagel. Wie das funktioniert, wird folgendermassen beschrieben:
"Um es zu realisieren, müssen zwei Spieler eine möglichst umfangreiche Orchestermaschine aus zahlreichen Instrumenten und mechanischen Bewegungselementen konstruieren. Modelle aus melodischen, harmonischen und rhythmischen Elementen, sowie Bewegungsabläufen aus Kagels offener Konzeptpartitur werden während der Bauphase dem entstehenden Instrumentarium angepasst und in eine klingende Form gebracht. So entsteht ein Doppelgebilde aus skulptural-kinetischem Klangobjekt und Musikstück."
Im Museum Tinguely angesiedelt, sieht diese Installation aus wie wenn eine höchst komplizierte Maschine des Meisters auch noch bespielt wird und zwar in der Art von Fischli & Weiss und ihrem "Lauf der Dinge".
Der Kölner Gitarrist und Lautist Wilhelm Bruck und der Basler Schlagzeuger Matthias Würsch haben diese Klangmaschine in monatelanger Arbeit, teils mit Instrumenten vom Flohmarkt, zusammengebaut und geben bis zum 15. Mai jeweils an den Wochenenden Konzerte.
Eine sinnliche, poetische und immer wieder überraschende Art der neuen Musik näher zu kommen.























