Direkt zum Inhalt
  • Politik
  • Kultur
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft
  • Medien
  • Über uns
close
Kommentar21

In eigener Sache

17. Oktober 2012

Am 17. September dieses Jahres ist die Autobiographie von Salman Rushdie auf den Markt gekommen: weltweit gleichzeitig und unter grosser Geheimhaltung. Rezensionsexemplare wurden im Voraus keine verschickt. Wie aber bespricht man ein Buch, das man nicht kennt? Und vor allem: Wie viel Zeit steht für die Lektüre zur Verfügung? Antwort: keine. - Ich hatte von einer deutschen Tageszeitung den Auftrag bekommen, Rushdies Buch zu besprechen. Wenige Tage vor dem Erscheinungstag erreichte mich die Nachricht, dass die Online-Redaktion die Rezension des Buches bereits am folgenden Tag aufschalten wolle. 24 Stunden also für die Lektüre und die anschliessende Besprechung eines 720-seitigen Werks! Ich habe den Auftrag zurückgegeben, aber der Vorfall hat mir zu denken gegeben. - Wenn solche Gepflogenheiten überhandnehmen, was bedeutet das für die Qualität des Journalismus? Eine Meldung exklusiv und als Erste im Blatt zu haben, ist schön und gut. Aber doch nicht um diesen Preis! Schon jetzt werden Ereignisse vielfach ungeprüft und bar jeder klärenden Interpretation praktisch in real time in alle Welt übermittelt. Wollen wir, dass das einreisst auch in Bereichen wie der Kultur, wo vertieftes Nachdenken doch eigentlich zum Geschäft gehört? Offenbar ja. Nur sollte man bedenken, dass damit bis anhin seriöse Print-Medien unter dem Druck ihrer Online-Redaktionen ihr grösstes Gut verspielen: die eigene Seriosität und Verlässlichkeit. Und das kann definitiv nicht im Interesse einer demokratischen Öffentlichkeit sein. (Klara Obermüller)

Letzte Artikel

Ein wunderbares Instrument …

Annette Freitag 1. Februar 2026

Ein Engel namens Meloni

Heiner Hug 1. Februar 2026

Was ist Wahrheit?

Christoph Zollinger 1. Februar 2026

Moskau hält sich nicht an Trumps angekündigte Feuerpause

Reinhard Meier 31. Januar 2026

Das nahe ferne Land des Ruhrgebiets

Stephan Wehowsky 31. Januar 2026

Homo fingens – die heimliche Macht der Fiktion

Eduard Kaeser 30. Januar 2026

Newsletter abonnieren

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Zurück zur Startseite
Journal 21 Logo

Journal 21
Journalistischer Mehrwert

  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Newsletter
To top

© Journal21, 2021. Alle Rechte vorbehalten. Erstellt mit PRIMER - powered by Drupal.