In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
Die Schweiz und das liebe Vieh
Von Markus Schärli
Nach Jahrzehnten der Fehlallokation von Ressourcen schwenkt der Nationalrat endlich auf eine ökonomisch sinnvollere Agrarpolitik um und schafft die Tierbeiträge ab.
Noch muss der Ständerat den Einzelinteressen von uneinsichtigen Bauern widerstehen, damit die Fehlanreize bei der Tierhaltung reduziert werden können.
Wie richtig der Entscheid des Nationalrats ist, kann exemplarisch an der rhetorisch gemeinten aber durchaus sinnvollen Frage von SVP Nationalrat Andreas Aebi während der Nationalratsdebatte demonstriert werden. Aebi fragte:
Schädliche Arbeit
„Ist es normal dass eine Landwirtin oder ein Landwirt für die Haltung von 20 Milchkühen dieselbe Unterstützung erhält, wie ein Kollege der halb so viele Tiere hält und damit ein deutlich niedrigerer Arbeitsaufwand hat?“
Nein, lautet natürlich die Antwort, wenn man davon ausgeht, dass jede Arbeit ökonomisch nützlich und sinnvoll ist. Tatsache ist, diese Arbeit ist nicht nur nicht nützlich, sondern schädlich. Je weniger von dieser Arbeit gemacht wird, desto nützlicher für die Volkswirtschaft, die Umwelt und das Tierwohl.
Eine negative Ökobilanz
Denn die Tierhaltung verursacht nicht nur unendliches Leid für die Tiere, sondern verschmutzt auch die Gewässer, das Land, und bei jenen Bauern, welche wie unser Nachbar verbotenerweise ihre Gülle in den Wald schütten, auch noch den Wald. Zusätzlich wird die Atmosphäre mit Methangas belastet.
Eine durch und durch negative Bilanz – ganz zu schweigen von der Ökobilanz, welche extrem negativ ausfällt, wenn man vergleicht, wie viele Kalorien an pflanzlicher Nahrung gebraucht werden, um eine Kalorie an tierischer Nahrung herzustellen. Es ist die unökonomischste Form der Lebensmittelherstellung.
So gesehen lautet die Antwort auf die Frage von Nationalrat Andreas Aebi: Ja, es ist natürlich, dass jemand, der die Umwelt weniger belastet, der weniger an schädlichen Abwässern und Abgasen produziert und weniger Tierleid verursacht, vom Staat mehr Unterstützung bekommt.
Wie wäre es mit einer Tiersteuer?
Bauern hören das nicht gern, aber es ist volkswirtschaftlich völlig klar: Je mehr Grünfläche und je weniger Bauern und Tiere, desto ökologischer und nachhaltiger funktioniert die Schweizer Volkswirtschaft.
Kritische Geister werden sich fragen, warum man für ein ökologisch so schädliches Verhalten überhaupt etwas bekommt. Aber so weit wollte der Nationalrat nicht gehen. Die einzig richtige Massnahme wäre nämlich, dass landwirtschaftliche Tierhalter – genauso wie städtische Tierhalter – eine Steuer für das Halten von Tieren bezahlen müssten.
Oder, um es mit einer rhetorischen Frage analog zu Nationalrat Andreas Aebi zu beantworten: „Ist es normal, dass ein Städter für die Haltung von einem Hund eine Steuer bezahlt, während sein Kollege vom Land für eine doppelt oder dreifach so grosse Kuh Geld erhält?“






















