In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
Die Brüste der Kate
Von Heiner Hug
Wütende Muslime setzen westliche Botschaften in Brand. Europa ringt um seine Währung. In Syrien ist Krieg. Und was beschäftigt uns? Die Brüste von Princess Kate.
Alle berichten darüber. Auch die New York Times, sogar Al Jazeera. Da weilt die Herzogin von Cambridge in einem südfranzösischen Anwesen – topless, wie Tausende Frauen. Da schleicht sich ein Paparazzo an, schiesst einige Bilder und veröffentlicht sie in einem kaum bekannten französischen Magazin. Und Berlusconis Boulevard-Blatt "Chi" gibt bekannt, die Fotos am Montag ebenfalls zu publizieren.
Schrecklich.
Haben die Royals nichts gelernt? Seit Jahren sind Paparazzi Stars und Sternchen auf der Spur. Sie lauern in Büschen, stundenlang, mit Objektiven, die fast ein Meter lang sind. Ein gelber Blätterwald lebt von ihren Enthüllungen. Es ist ja nicht so, dass diese Bilder Relevantes oder Phantastisches zu Tage förderten. Aber der Schlüssellock-Blick, dieses süsse Gift des Verbotenen, scheint eine gewisse Kundschaft zu reizen.
Wenn man zur royalen Klasse gehört, muss man sich vielleicht daran gewöhnen, von der yellow press beobachtet zu werden. Die blaublütigen Briten sind die Ersten, die das wissen. Nicht erst seit Diana.
Der Paparazzo hatte mit Kate ein leichtes Spiel. Von einer öffentlichen Strasse aus schoss er die Fotos. Sehr versteckt hat sich die Princess nicht.
Natürlich gibt es den Persönlichkeitsschutz. Und es war ein privater Ort, an dem Kate die Sonne genoss. Natürlich ist es verboten, ihr dort aufzulauern. Natürlich hat auch eine Herzogin das Recht auf Intimität. Zwar ist Kate eine “Person des öffentlichen Lebens”, aber ihre Brüste sind wohl nicht von öffentlichem Interesse. Strenge Medienhüter werden sich wieder über solche Entgleisungen auslassen. Schande über den Journalismus.
Wie naiv und scheinheilig es doch ist, sich darüber zu entrüsten.
Die Paparazzi sind seit Jahrzehnten nicht nur den Triple-A-Ladies auf der Lauer. Berlusconi kann ein Lied davon singen, die Damen und Herren aus dem monegassischen Prinzenhaus ebenso. Und jedes Schlager-Mädel auch. Es versteht sich von selbst, dass auch die Neue im Königshaus zur Beute wird.
Dass die Royals jetzt rechtliche Schritte gegen das französische Magazin vorbereiten, gibt der Geschichte erst ihren Pfeffer. Endlich lernt man den Namen dieses Magazins kennen, den bisher niemand kannte.
Natürlich könnte man ganz ernst darüber diskutieren, ob eine “Person der Zeitgeschichte” (und das ist ja Kate wohl schon) überhaupt einen Anspruch auf einen rigiden Persönlichkeitsschutz, also ein rigides Recht auf Achtung der Privatsphäre hat. Da werden die Meinungen auseinandergehen.
Wenn man zu den Royals gehört, hat man wunderbare Privilegien – und einige Einschränkungen und Unannehmlichkeiten. Jedenfalls ist Catherine, alias Kate, an den Fotos nicht ganz unschuldig.
Schön, hat die Welt keine anderen Probleme. Eben erreicht uns die Meldung, dass in Syrien wieder Hunderte gestorben sind.






















