Wer jemandem Unrecht getan hat, sollte sich entschuldigen und/oder eine Entschädigung leisten. Im Falle der Verdingkinder und anderer Opfer administrativer Zwangsmassnahmen hat Frau Sommaruga dies unlängst im Namen des Bundesrates getan: Sie hat sich entschuldigt, von finanzieller Entschädigung hingegen wollte sie nichts wissen und schlug stattdessen einen Runden Tisch vor. Davon wiederum halten die ehemaligen Verdingkinder wenig. Zu lange warten sie schon. Jetzt wollen sie nicht nur symbolische Gesten, jetzt wollen sie Taten sehen. Und das heisst: Geld, auch wenn Geld seinerseits nach all den Jahren nicht viel mehr als symbolische Bedeutung haben kann. Erlittenes Leid lässt sich nicht mit Geld aufwiegen. Aber es bedeutet Anerkennung: Anerkennung des Unrechts und Anerkennung geleisteter Arbeit. Behörden und Gesellschaft haben jahrzehntelang von der Ausbeutung dieser Kinder profitiert. Nun wäre es an der Zeit, denen, die noch leben, zurückzugeben, was ihnen zusteht. Irland hat 1,28 Milliarden Euro an ehemalige Heimkinder bezahlt. Die Schweiz sollte sich an Irland ein Beispiel nehmen. (Klara Obermüller)
Des Kaisers neue Filme
Von Andy Aguirre Eglin
Man kann dieses Defilee und Spalier im fremden Federnkleid behaupteter Film-Kultur geniessen als Laborversuch (an 10 Spielorten) des Strebens von Geld nach Geist – und hofft, trotz aller Scheinwerfer Echtes zu finden: wahre Filme statt nur Filmware!
Erstaunlich ist es schon, bereits zum 8. Mal dürfen wir dem Zürcher Film Festival Beifall spenden. Spenden ist auch das Stichwort für die Wirtschaft, die sich dafür gerne im Blitzlicht sonnt.
Das ist auch kein Gewitter, sondern lange und überall angekündigter Stadtsegen. Ein Kunstprodukt von Strategie. Das hat auch Beruhigendes, denn es zeigt, dass es nur mit Geld, aber ohne Film, sprich Kultur und Geist, nicht geht.
Es lässt sich, wenn auch entfernt, vergleichen mit einer Kulturrevolution von oben, wenn man mit Marketing versucht, Filme zu erzeugen – aus blossem Design authentische Geschichten zu generieren. Man kennt das von den letzten Seiten von Hochglanzmagazinen, worin Parties mit stets lächelnden Gesichtern abgelichtet sind, um der Möblierung gelangweilter menschlicher Existenz durch Fotostrecken mit Luxusprodukten noch etwas Geselligkeit einzuhauchen.
Als würden wie in E. T. A. Hoffmanns Märchen „Der Sandmann“ Puppen beseelt. Auch die eingeflogenen Hollywoodstars dienen zur Projektion fehlenden Charismas, besorgen gegen dicke Schecks Glanz und Glorie, die dem nüchternen Alltag Zürcher Wirtschaftskreise sonst abgehen. Dumm nur, wenn die Puppen aus der Rolle tanzen, dann wird für Oliver Stone unsere „Mayor a hot babe“ – oder wie es im Märchen frei nach Christian Andersen heisst: „Als der Minister im Saal war, wo die Stoffe gezeigt wurden, glaubte er kaum seinen Augen. ‚Ich kann ja gar nichts sehen’ dachte er sich und zweifelte an seiner Intelligenz. Es geht nicht, dass ich erzähle, ich könnte den Stoff nicht sehen!“
Im Hofe zurückgekehrt, berichtete er dem Kaiser: „Es ist wunderschön, was sie zeigen!“ Auch die Sponsoren waren zufrieden. – Setzen wir deshalb auch am diesjährigen Zürcher Film Festival auf alle Kind Gebliebene, die noch unterscheiden können, was Sache und relevantes Kino ist!
Festivalprogramm 20. – 30. September 2012:
Internationaler Spielfilm Wettbewerb (13 Produktionen aus 10 Ländern)
Internationaler Dokumentarfilm (10 Produktionen aus 8 Ländern)
Deutschsprachiger Dokumentarfilm (8 Produktionen aus 4 Ländern, 2 aus CH)
Gala Premieren (21 Produktionen aus 12 Ländern, 11 aus USA)
Special Screenings (11 Produktionen aus 7 Ländern, 2 Weltpremieren aus CH)
Neue Welt Sicht : Schweden (9 Spielfilme, 1 Dokumentarfilm, Kurzfilm-Block)
Border Lines supported by Médecins Sans Frontières (3 Produktionen)
Wettbewerb Klassiker der Filmmusik (Donnerstag, 27.9. in der Tonhalle)
Richard Gere : Golden Icon Award (6 Reprisen, 1 Premiere)
Jerry Weintraub : Career Achievement Award (8 Reprisen, 1 Premiere) Tom Tykwer : A Tribute To ... (4 Reprisen)
John Travolta : Lifetime Achievement Award (5 Reprisen)























