In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
Damals, am 30. September:
Zauberflöte uraufgeführt - Tod von Heiri Gretler - Tod von Hans-Peter Tschudi - Mohammed-Karikaturen
Es geschah an einem 30. September
1512: Bei einem Bergsturz bei Biasca im Tessin sterben mehrere hundert Menschen.
1767: In Hamburg wird Lessings Minna von Barnhelm uraufgeführt.
1791: In Wien wird Mozarts Zauberflöte uraufgeführt.
1862: Bismarck sagt, „Eisen und Blut werden die grossen Fragen der Zeit entscheiden“.
1888: Jack the Ripper bringt an einem Tag zwei Frauen um.
1901: Geburt von Paul Thalmann, Schweizer Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg, Journalist.
1928: Geburt von Elie Wiesel, amerikanischer Schriftsteller.
1933: In Zürich wird Robert Stolz‘ Zwei Herzen im Dreivierteltakt uraufgeführt.
1938: Die Tschechoslowakei muss die Sudetengebiete ans Deutsche Reich abtreten.
1953: Die Schweizer Auguste und Jacques Piccard tauchen auf die Rekordtiefe von 3‘150 Metern.
1955: Tod von James Dean, Jugendidol, Schauspieler.
1977: Tod von Heinrich (Heiri) Gretler, Schweizer Schauspieler.
1980: Geburt von Martina Hingis, Tennis-Spielerin.
1985: Bundesrat Kurt Furgler sagt im Nationalrat auf eine Frage von Markus Ruf von der Nationalen Aktion: „Ich passe mich dem Niveau ihrer Frage an und stelle das Pult tiefer“.
1990: Tod von Patrick White, australischer Nobelpreisträger für Literatur, Preisverleihung 1973.
2002: Tod von Hans-Peter Tschudi, Schweizer Bundesrat von 1959 - 1973 (Basel/SPS).
2005: Die dänische Zeitung Jyllands-Posten veröffentlicht zwölf Mohammed-Karikaturen.
2010: Hartes Vorgehen gegen Stuttgart 21-Demonstranten. 400 Personen werden verletzt, auch alte Leute.






















