14. April 2013, 20:18, Kommentar 21
Die linksliberale Römer Zeitung „La Repubblica“ und der bürgerliche Mailänder „Corriere della sera“ sprechen von einer “Revolution“. Franziskus hat acht Kardinäle ernannt, die ihm helfen sollen, die verkrustete Römische Kurie zu reformieren. Basis-Demokratie im Vatikan? Sicher nicht. Der „Rat der Weisen“ ist eine Art Regierungskabinett, das allerdings nur beratende Funktion hat. Diesem Kabinett gehört keiner der schrecklich reaktionären Kardinäle an. Immerhin. Interessant: Die Italiener wurden ausgebootet, nur einer von ihnen sitzt in der Kommission, die andern stammen aus allen Erdteilen. „Ihr werdet Euch noch wundern!“ So hatte der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff die Wahl von Franziskus kommentiert. In Rom ist eine eigentliche Franziskus-Mania ausgebrochen. Viele erwarten vom neuen Papst grundsätzliche Neuerungen. Doch viele könnten enttäuscht werden. Denn: Alle acht Weisen verfechten die alten katholischen Dogmen – sonst wären sie nicht Kardinäle geworden (und Franziskus nicht Papst). Eine „Revolution“ ist deshalb nicht zu erwarten. Etwas frischer Wind vielleicht. Übrigens: Schon das 2. Vatikanische Konzil hatte ein solch beratendes Gremium vorgesehen. Es wurde nie verwirklicht. Es ist nicht anzunehmen, dass die Weisen die heissen Eisen wie Zölibat, Frauen-Ordination, Empfängnisverhütung oder Homosexualität anpacken. Zwar kracht es laut im vatikanischen Gebälk, es brennt, doch auch Franziskus nimmt sich Zeit. Die erste Sitzung der Acht soll erst am 1. Oktober beginnen. Im Vatikan denkt man eben in den Kategorien der Ewigkeit. (Heiner Hug, Rom)
31. März 2013, 18:23, Kommentar 21
Was halten Sie vom neuen Papst? Eine Frage, die in Gesellschaft derzeit häufig gestellt wird – und dies zu Recht. Denn was ist wirklich zu halten von diesem neuen Mann in Rom, der sich vatikanischer Prachtentfaltung verweigert, sich furchtlos unters Volk mischt und zu den Leuten redet, als ob er ein einfacher Pfarrer vom Land wäre? Einstweilen sind das alles nur Zeichen. Über die Inhalte sagen sie nichts aus. Klar, es ist ungewöhnlich, dass ein Papst seine Hotelrechnung selber bezahlt, den Gläubigen nach seinem ersten Angelus „buon pranzo“ wünscht und, wie soeben bekannt wurde, das einfache Gästehaus für Prälaten dem Luxusapartment im päpstlichen Palast vorzieht. Was solche Gesten für die Kirche wirklich bedeuten, wird man jedoch erst wissen, wenn erste Personalentscheide gefallen, erste Seligsprechungen verkündet und erste Lehrschreiben veröffentlicht sind. Dann wird sich zeigen, ob die neue Bescheidenheit mehr ist als blosse Symbolik. Dem Erzbischof von Buenos Aires ging der Ruf voraus, ein Erzkonservativer zu sein. Skepsis ist deshalb mehr als berechtigt. (Klara Obermüller)
27. März 2013, 07:31, Stephan Wehowsky
110 Jahre Harley-Davidson: Ein Bikertreffen in Rom
Von Stephan Wehowsky
Auf den ersten Blick mutet es wie ein überdrehter PR-Gag an: Mit der Harley zum Vatikan, um sich den päpstlichen Segen zu holen. Was hat das Oberhaupt der katholischen Kirche mit dem Jubiläum einer Motorradmarke zu tun?(Mehr...)
13. März 2013, 20:45, Heiner Hug
Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist neuer Papst
Von Heiner Hug, Vatikanstadt
Die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst ist eine kleine Überraschung. Bergoglio nimmt den Namen Francesco an. Er setzt sich für die Armen ein und könnte ein "Papst des Volkes" werden. Welche Rolle spielte er während der Militärdiktatur?(Mehr...)
12. März 2013, 19:53, Heiner Hug
Von Heiner Hug, Vatikanstadt
Es war ein barockes Spektakel, herrlich vom Fernsehen inszeniert. Und doch muss man sich fragen: Ist dieses pompöse Altherren-Treffen wirklich so wichtig? Braucht es dazu 6000 Journalisten?(Mehr...)
12. März 2013, 06:10, Heiner Hug
"In dieser Kirche schlummert ein Geheimnis"
Von Heiner Hug, Rom
Sie sind alle tot und schauen lächelnd auf uns herab. Nur einer ist nicht tot. Um ihn reissen sich jetzt Tausende. Er wird fotografiert und beklatscht.(Mehr...)
24. Februar 2013, 19:11, Kommentar 21
In Rom wird nichts dem Zufall überlassen: nicht, wer die Fasten-Exerzitien hält, nicht welche Indiskretionen ans Tageslicht kommen. Alles ist bedeutsam. Jedes Zeichen ist wichtig.
Als versteckter Hinweis auf eine mögliche Nachfolge darf sicher die Tatsache gelten, dass Papst Benedikt XVI. den Kurienkardinal Gianfranco Ravasi mit den diesjährigen Fasten-Exerzitien betraute. Und mehr als ein Zufall dürfte auch sein, dass ausgerechnet jetzt die Existenz eines schwulen Netzwerkes im Vatikan publik gemacht wurde. Es sollen ihm auch Kardinäle angehören, die sich dadurch erpressbar gemacht haben.
Egal, ob diese jüngsten Enthüllungen den Anstoss zum Rücktritt gegeben haben oder nicht, verdächtig sind sie allemal. Denn das Thema Homosexualität dürfte bei der kommenden Papstwahl keine geringe Rolle spielen. Michael Meier hat im „Tages-Anzeiger“ aufgezeigt, dass es unter den Papabili einige gibt, deren Einstellung zu Homosexualität intolerabel ist. Da ist einmal der Kanadier Marc Quellet, der sich gegen die Homo-Ehe stark macht. Und da ist vor allem der Hoffnungsträger aus Afrika, Peter Turkson, der die Anti-Gay-Gesetze in Afrika verteidigt und unlängst sogar die Todesstrafe für Schwule befürwortet haben soll.
Es dürfte nicht wenige geben, die ein Interesse an solchen Nachrichten haben: sei es, um sich selbst als Kandidaten zu empfehlen, oder sei es, um andere als Konkurrenten auszuschalten. In Rom wird hinter den Kulissen mit harten Bandagen gekämpft. Schmutzige Bankgeschäfte, Schwulenfeindlichkeit und die Nähe zu Unrechtsregimen spielen dabei eine wichtigere Rolle als der christliche Glaube. Kein Wunder, dass da einer vorzeitig das Handtuch wirft. (Klara Obermüller)
20. Februar 2013, 21:41, Kommentar 21
Die politische Geschichte Europas war einmal eng mit dem Papsttum verknüpft. Das ist längst vorbei. Die ältlichen Herren im Vatikan haben im Westen jeden Einfluss verloren. Selbst im katholischen Italien. Glücklich jene, die in der Vatikan-Kirche Halt und Trost finden. Doch der Vatikan ist ein krankes und machtloses Imperium geworden. Warum fasziniert er uns noch immer? Warum sind die Medien voll von Papst-Geschichten? Der Vatikan ist zwar machtlos, aber geheimnisvoll. Und Geheimnisvolles fasziniert. Hohe Mauern, Intrigen, Machtkämpfe, rote Schuhe, der schöne Gänswein, Luxus der Kardinäle, gregorianische Gesänge – alles toll. Wie kam der Schweizergardist Cédric Torney wirklich zu Tode? Und der 33-Tage Papst Johannes Paul I.? Eine Nonne fand ihn aufrecht sitzend im Bett. Er lächelte und war tot. Verschwörungstheorien, Unterstellungen, Vatileaks, alles abgeschirmt, abgeschottet, alles in göttliche Watte gewickelt. Das fesselt uns. Wie einst die Kreml-Geschichten. Die Berichte über den Vatikan sind heute Boulevard vom Besten, spannender als Storys über die Royals. - Jetzt wird ein Neuer gewählt. Schwarzer Rauch, weisser Rauch, wir fiebern mit wie in einem Harry-Potter-Film. Zu hoffen ist, dass der Neue weniger konservativ ist als seine Vorgänger. Aber um Gottes Willen: nicht allzu progressiv. Bitte keine Geheimnisse lüften. Wir wollen keinen modernen Papst. Spannend ist der Vatikan nur, wenn das Geheimnisvolle weiterbesteht. Wenn wir weiter spekulieren können, was hinter den hohen Mauern geschieht. (Heiner Hug, Rom)
50 Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil
01. Juni 2012, 16:36, Klara Obermüller
Von Klara Obermüller
50 Jahre nach der Einberufung des II. Vatikanischen Konzils mehren sich die Zeichen des Unmuts unter Geistlichen und Laien über ein System, das die Zeichen der Zeit verkennt und sturer denn je an den Bedürfnissen der Gläubigen vorbei regiert. Verschiedene Initiativen versuchen, Reformen herbeizuführen, die längst überfällig sind.(Mehr...)
24. Dezember 2011, 08:21, Gastkommentar
Ein Gastkommentar von Viktor Dormann, katholischer Theologe
Der junge Mensch werde durch die Sexualerziehung an Schweizer Schulen „von der christlichen Haltung in Fragen der Sexualität entfremdet“ und gerate „in den Sog der Abhängigkeit von seinem Geschlechtstrieb“, schreibt der Churer Bischof Vitus Huonder in seinem „Wort zum Tag der Menschenrechte vom 10. Dezember 2011“.(Mehr...)
10. Juni 2011, 07:52, Journal21
Die Untergrundkirche in der kommunistischen Tschechoslowakei
Von Erwin Koller
Der Geist ist nicht zu fassen. Auch dort nicht, wo er heilig genannt und jedes Jahr am fünfzigsten Tag nach Ostern – Pentecostes , also Pfingsten – gross gefeiert wird. Er ist zu unberechenbar, weht, wo er will. Wer kann da die Kontrolle behalten, wo doch sonst schon so vieles aus den Fugen gerät?(Mehr...)