In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
Bern: „Vielseitigkeit in Grün“
Roland Jeanneret
Langsam kommt doch noch etwas Leben in die Gemeindewahlen der Stadt Bern von Ende November. An der politischen Zusammensetzung der Exekutive dürfte sich allerdings nicht allzu viel ändern – Bern ist grün und bleibt wohl rot-grün. In mehrfacher Beziehung…
Kaum eine Stadt in der Schweiz benennt sein Tiefbauamt mit "Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün" und wohl kaum an einem andern Ort kann die Direktorin (aus dem Grünen Bündnis) für ihren Zuständigkeitsbereich gleich noch die Parteicouleur in den Departementsnamen einbringen….
38 Parks, Gärten und Grünräume
Regula Rytz, Nationalrätin und Co-Präsidentin der Grünen, hört Ende Jahr als Stadtberner Gemeinderätin auf – von der fünfköpfigen Exekutive bleiben nur die beiden Männer Alex Tschäppät (Stadtpräsident, SP) und Reto Nause (Sicherheit, CVP) im Amt. Links-Grün wird voraussichtlich ihre drei Sitze halten können, das Erzwingen eines zweiten Wahlgangs wäre bereits ein Erfolgt für die Bürgerlichen, die sich weder auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten noch über besonders populäre Figuren verfügen.
Fast als ein kleines Vermächtnis ist dafür dieser Tage in Zusammenarbeit mit Rytz’ Stadtgärtnerei ein „Wegweiser zu 38 Gärten, Parks und Grünräumen“ erschienen, der kurz vor den Wahlen der Bewohnerschaft einmal mehr deutlich machen möchte, dass man/frau in Bern in einem quasi grünen Paradies lebt. Aber auch für auswärtige BesucherInnen und zahlreiche Touristen ist der Wegweiser eine nützliche Hilfe, kommen darin doch nicht nur die bekannten Grünanlagen vor, sondern auch eher versteckte Trouvaillen. Zudem erfährt der interessierte Leser historisch einiges über Gärten und Parks der Bundeshauptstadt.
Rosengarten bleibt Nummer eins
Dass die vier glorreichsten Anlagen Rosengarten (mit der schönsten Aussicht auf die Berner Altstadt), Münsterplattform, Bundesterrasse mit Blick aufs weltberühmte Marzilibad sowie das Gelände der Stadtgärtnerei beim Landschaftspark Elfenau im Führer vorkommen, ist sicher ein Must und die meisten kennen diese Inseln der Erholung. Der Rosengarten – früher während 100 Jahren der Friedhof der unteren Stadt – mit seinen 220 Rosen-, 200 Iris- und 28 Rhododendronarten ist und bleibt die Nummer eins und für den stets zunehmenden Tourismus der Stadt Bern eine wichtige Attraktion.
Falkenplatz
Weniger als Grünraum empfand bis jetzt das Publikum den permanent mit Trams überstellten Hirschengraben (mit Bubenberg-Denkmal, nahe Bahnhof), den Innenhof des Burgerspittels (für 2 Jahre im Umbau) oder den grünen Spickel beim Falkenplatz (beim Uni Hauptgebäude), dem „kleinen Biotop jenseits des Verkehrslärms auf der Länggassstrasse.“ Wer wusste schon, dass hier früher der Turnplatz für die Rekrutenaushebung war?
Florapark
Zumindest bei vielen Bernerinnen dürfte der Florapark etwas bekannter sein, war doch dort angrenzend jahrzehntelang die Mädchensekundarschule angesiedelt. Bis zur Errichtung des grossen Bremgartenfriedhofs beim Güterbahnhof 1885 diente die Anlage ursprünglich als Monbijoufriedhof. Den „neuen“ Namen erhielt der Park durch den kleinen Rundpavillon mit dem Standbild der römischen Göttin Flora, der anlässlich der Landesausstellung von 1914 auf dem kleinen Hügel erbaut wurde.
Erholungsraum Friedhof
Überhaupt fällt auf, wie im neuen Parkführer Friedhöfe generell als Inseln der Ruhe und Erholung empfohlen werden – dies gilt natürlich für den grössten und „würdigen Schosshaldenfriedhof mit alten Bäumen, Orchideenwiesen und vielen Vögeln“. Der Friedhof Bümpliz wird gar als „grüne Lunge“ und „Wechselspiel von Alt und Neu“ beschrieben – eine Terminologie, die für Totenfelder noch etwas gewöhnungsbedürftig ist…. Wenn wir schon in Berns Westen sind, empfiehlt das Büchlein auch den Schlosspark Bümpliz, die eben geschaffene Parkanlage Brünnengut und das angrenzende Gäbelbachtäli.
Hausberg Gurten
Zu Berns „Vielseitigkeit in Grün“ gehört natürlich auch der Hausberg Gurten – allerdings liegt dieses Naherholungsgebiet bereits auf Boden der Nachbargemeinde Köniz, die Stadt verfügt dank eines Abkommens nur über einen kleinen Teil und rasch vergessen ist offenbar die Zeit, wo Bern dieses Juwel weitgehend vergammeln liess und der Gurten erst wieder präsentabel wurde, nachdem die Migros aus dem Gurten einen „Park im Grünen“ machte…
Egelsee, Botanischer Garten
Wenig bekannt sind für viele wahrscheinlich das Gebiet des romantisch-malerischen Egelsees (in der Nähe vom Zentrum Paul Klee, Schosshalde) und der Pflanzenreichtum im Botanischen Garten (Lorrainebrücke), wo auf 2,5 Hektaren rund 6000 Arten gedeihen und „biologische Vielfalt und Mensch“ dokumentiert werden. Berns Botanischer Garten sei ein „Festival der Sinne im Kunstmuseum der Natur“, meint die Autorin Patricia Götti. Auch dieses hier so gepriesene Juwel wurde jahrelang durch private Sponsoren und erst kürzlich durch einen namhaften Kantonsbeitrag vor der Schliessung bewahrt…
Eindrückliche Zahlen
Berns Stadtgärtnerei unterhält jedoch nicht nur diese 38 Anlagen: insgesamt sind es 89 öffentliche Spielplätze, sie pflegt 21 000 Bäume, bepflanzt 13 Wechselflorflächen und 100 Strassenblumenschalen, verwaltet 2000 Familiengartenparzellen in 27 Arealen und umsorgt in den drei Friedhöfen 14 000 Grabstätten.
Fazit: Es gibt für Einheimische wie für Gäste an Gärten und Parks in der Hauptstadt der Schweiz noch einiges zu entdecken, vor allem wenn dort zur Sommerzeit Strassenkünstler, Zirkusclowns oder Puppenspieler („Chaschperli-Gutsche“) auftreten. Wie auch immer die Wahlen Ende November ausgehen: Bern ist und bleibt grün!
Parkführer Bern. Ein Wegweiser zu 38 Gärten, Parks und Grünräumen Haupt Verlag, 2012 (ISBN978-3-258-07762-8)























