In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)
„Wir leben in einer Diktatur der Finanzmärkte“
Von Heiner Hug und Stephan Wehowsky
„Wir leben nicht in einer Demokratie, sondern in einer Diktatur der Finanzmärkte“, erklärt Oskar Lafontaine, der frühere Vorsitze der deutschen Partei ‚Die Linke‘. Der britische Europa-Parlamentarier Nigel Farage nennt die EU einen „riesigen Betrug“.
Lafontaine und Farage präsentierten am zweiten Tag des 14. Swiss Economic Forums in Interlaken ihre Ansichten zu Europa. Lafontaine beklagte das Demokratie-Defizit in Europa. Wenn die Löhne und die Renten flächendeckend fallen, sei das nicht im Sinne der Mehrheit. „Wie können wir Europa konstruieren, so dass sich die Mehrheit wieder durchsetzt?“ Der Euro sei von Anfang an falsch konstruiert gewesen, sagt Lafontaine. Europa brauche keine Deregulierung in Europa, im Gegenteil. „Wenn wir nicht zu einer Regulierung der Finanzmärkte kommen, gibt es eine Katastrophe“.
Die Staaten müssten von den Finanzmärkten entkoppelt werden. Schulden seien nichts anderes als das Vermögen der Reichen. Deshalb brauche es eine Millionärssteuer, um die Schulden abzubauen. „Wer den Gewinn macht, muss auch den Verlust tragen. Wer dieses Prinzip nicht akzeptiert, setzt die Marktwirtschaft ausser Kraft. Auch das Bankensystem müsse neu geordnet werden. Kein Wirtschaftsunternehmen dürfe so stark sein, dass der Staat von ihm abhängt.
"Ich hoffe, dass die Märkte den Euro zerstören"
Der Europa-Abgeordnete Nigel Farage ist Präsident der englischen UKIP (United Kingdom Independence Party). Griechenland sitze in einem wirtschaftlichen Gefängnis, sagt er. In Athen herrsche völlige Hoffnungslosigkeit. Alle sagten den Griechen, sie müssten beim Euro bleiben. Doch Griechenland sei am Rande einer Revolution, und diese werde dem Land von der EU aufgezwungen. Farage ist der Meinung, dass Griechenland den Euro verlassen müsse. „Ich hoffe, dass die Märkte diesen Sommer den Euro zerstören“.
Angela Merkel habe gesagt, dass wir eine europäische Identität schaffen müssten, sagt Farage. „Meine Antwort ist: Nie im Leben. Es ist völlig falsch, Europa in ein von Deutschland dominiertes Projekt zu führen. Die europäischen Wähler wollen das auch nicht.“ Farage möchte in einem Europa arbeiten, das aus souveränen Staaten besteht. „Denken sie an Jugoslawien; wenn man die Leute zwingt zusammenzuleben, so folgen Nationalismus und Rassismus.“ Im Gegensatz zu Lafontaine verlangt Farage eine Deregulierung der Wirtschaft in Europa, damit sie gegenüber Asien bestehen kann.
"Niedrige Steuern führen zu Wohlstand"
Steve Forbes, Chairman und CEO des Forbes-Medienunternehmes gratulierte der Schweiz für das Wirtschaftswachstum und ihre gesunden und solide Währung bei niedrigen Steuern. „Die Schweiz hat da eine gute Arbeit geleistet.“
Die heutige Krise sei darauf zurückzuführen, dass „zu viele Wirtschaftswissenschafter und Politiker eine falsche Diagnose gestellt haben“. So seien Zerstörungen angerichtet worden, die die Welt seit langem nicht mehr gesehen habe. Die grössten Fehler seien in der Währungspolitik gemacht worden. Aber instabiles Geld führe zu einer instabilen Wirtschaft.
Das schlimmste, was man in der heutigen Krise tun kann, sei die Steuern erhöhen, wie dies südeuropäische Länder heute tun. Die Einnahmen der Länder mit niedrigen Steuern seien höher als die Einnahmen der Regierungen mit hohen Steuern. Auch in den Dreissigerjahren seien die Steuern erhöht worden, und da habe man sich gewundert, dass die Wirtschaft zusammenbrach. „Wir sollten auch Deutschland den Rat geben, erleichtert das Steuersystem, reduziert die Mehrwertsteuer“. So gibt es Raum, dass auch private Firmen wieder nach oben kommen“.
Forbes kritisiert die Umweltpolitik vieler Staaten. Die Milliarden die zur Reduzierung von CO2 ausgegeben würden, seien „ganz einfach rausgeschmissenes Geld“.
Nach den Präsidentschaftswahlen im Herbst werde es in den USA grosse Veränderungen geben und das Steuersystem werde stark vereinfacht. Deshalb sei Optimismus am Platz. „Niedrige Steuern führen zu Wohlstand und mache es den Regierungen möglich, sich zu bewegen“. Die Steuerentlastungen in den USA würden sich positiv auf die ganze Welt auswirken. „Wir sind jetzt am Tiefpunkt, wenn sie in einem Jahr wieder hier sind, wird alles viel positiver sein.






















