Wer jemandem Unrecht getan hat, sollte sich entschuldigen und/oder eine Entschädigung leisten. Im Falle der Verdingkinder und anderer Opfer administrativer Zwangsmassnahmen hat Frau Sommaruga dies unlängst im Namen des Bundesrates getan: Sie hat sich entschuldigt, von finanzieller Entschädigung hingegen wollte sie nichts wissen und schlug stattdessen einen Runden Tisch vor. Davon wiederum halten die ehemaligen Verdingkinder wenig. Zu lange warten sie schon. Jetzt wollen sie nicht nur symbolische Gesten, jetzt wollen sie Taten sehen. Und das heisst: Geld, auch wenn Geld seinerseits nach all den Jahren nicht viel mehr als symbolische Bedeutung haben kann. Erlittenes Leid lässt sich nicht mit Geld aufwiegen. Aber es bedeutet Anerkennung: Anerkennung des Unrechts und Anerkennung geleisteter Arbeit. Behörden und Gesellschaft haben jahrzehntelang von der Ausbeutung dieser Kinder profitiert. Nun wäre es an der Zeit, denen, die noch leben, zurückzugeben, was ihnen zusteht. Irland hat 1,28 Milliarden Euro an ehemalige Heimkinder bezahlt. Die Schweiz sollte sich an Irland ein Beispiel nehmen. (Klara Obermüller)
„Ohne Ausländer weniger Innovation und Wachstum“
Von Heiner Hug
„Wenn wir in der EU wären, hätten wir das gleiche Schlamassel und müssten erst noch zahlen“, erklärte der Wirtschaftsexperte Beat Kappeler während eines Podiumgesprächs am Swiss Economic Forum.
Stefan Borgas, CEO der Lonza AG, fügte bei: „De facto ist es ein Riesenvorteil, dass wir nicht von der EU in Sippenhaft genommen werden“. Doch in Wirklichkeit sei die Schweiz schon weit in der EU verankert. Unsere Märkte liegen zu 65 Prozent in der EU. „Wir sind nicht nur Rosinenpicker, wir zahlen Milliarden in die EU ein. Wir nehmen viele EU-Bürger auf und ein Teil unserer Elite arbeitet in der EU.“ Die Attacken der EU gegen die Schweiz „werden nicht so heiss gegessen wie gekocht“. Borgas rät: Ruhig bleiben, weiter machen.
Nationalrat Céderic Wermuth (SP/AG) ist der Meinung, dass die EU nicht scheitert, weil es „zu viel Europa gibt, sondern, weil es zu wenig Europa gibt“. Und: „Europa leidet am gleichen Problem wie die Schweiz: Beide haben eine bürgerliche Mehrheit“. Europa brauche einen neuen Marschall-Plan. Die EU-Diskussion müsse jetzt in Bern wieder aufgenommen werden.
„Warum kritisiert die EU die Schweiz?“, fragt Nationalrätin Nathalie Rickli (SVP/ZH) und gibt gleich die Antwort: „Weil es uns besser geht, weil wir einen funktionierenden Finanzplatz haben. Wir sind dabei, das zu verspielen, weil unsere Regierung vor der EU einknickt“. Kappeler: Die Schweiz hat schon mehrmals mit ihrer Widerborstigkeit Lösungen in der EU verhindert, das ist doch auch ein Erfolg“.
"Die Schweiz vernachlässigt die Naturwissenschaften"
Zum Thema Ausländer erklärte Stefan Borgas, die Schweiz hätte „längst nicht das Wirtschaftswachstum, die Innovationskraft, den Drive, wenn wir nicht so viele Leute von aussen hereingenommen und zu Schweizern der ersten und zweiten Generation gemacht hätten. Nathalie Rickli ist dafür, dass wir nur jene Ausländer aufnehmen, die wir brauchen. Sie kritisiert den Familiennachzug, und dass diese Ausländer unsere Sozialsysteme belasten. Cédéric Wermuth kontert, dass unsere Sozialsysteme weit defizitärer wären, wenn die Ausländer keine Beiträge einbezahlten.
Beat Kappeler kritisiert, dass in der Schweiz die Ausbildung vernachlässigt werde. Deshalb fehlten schweizerische Naturwissenschaftler, Physiker, Ärzte. Deshalb auch müssen wir Ausländer aufnehmen. Die Schweiz solle zuerst ihre Hausaufgaben machen, die naturwissenschaftliche Ausbildung stärken, bevor sie sich über den Zuzug von Ausländern beklage.
"Keine nationale Katastrophe"
Einigkeit herrscht darüber, dass die Nationalbank den Frankenkurs stützt. Die Milliarden, die dazu aufgewendet werden, seien „keine nationale Katastrophe“, sagt Beat Kappeler. Dies sei eine vertretbare Manövriermasse. Auch Nathalie Rickli stützt die 1.20er-Grenze und falle damit Christoph Blocher “ keineswegs in den Rücken“. Man solle lesen, was Blocher wirklich gesagt habe. Borgas betont, die Wirtschaft wisse seit langem, dass der Franken immer stärker werde und bereite sich entsprechend darauf vor.
Borgas empfiehlt den Schweizern: „Offen und global bleiben, diszipliniert und bescheiden bleiben: Streiten, vertagen, entscheiden – das ist die Stärke der Schweiz“.






















