Bin ich gekauft, gemietet, geschmiert? Klandestines Mitglied bei der SVP, auf der Gehaltsliste der Linken? Oder gar bezahlt von der Schweizer Bankenlobby? Lachhaft. Warum habe ich mich als Sprecher des Vereins der Schweizer Lehman-Opfer mit mehr als 1000 Mitgliedern engagiert? Dazu beigetragen, dass die Credit Suisse finanztechnischen Laien, Kleinanlegern immerhin 150 Millionen mehr zurückzahlen musste, als sie am Anfang wollte? Warum schreibe ich Bücher, die auch zu Bestsellern werden? Scheue keine Konfrontation, trete überall öffentlich auf, wo man sich traut, mich einzuladen? So viele merkwürdige Fragen. Die Antwort ist ganz einfach: Ich leiste mir einen offenbar unglaublichen Luxus. Ich nehme mir die Zeit, über Fragen nachzudenken und meine Antworten zu formulieren. Ich mache das Normalste der Welt: Ich sage meine freie Meinung. Öffentlich. Völlig unabhängig, aber engagiert, ohne Rücksichten, ohne Zahlmeister. Der bin ich mir selber, als selbständiger Kleinunternehmer. Da berate ich alle, die von meiner professionellen Kompetenz profitieren wollen. Meine Meinung hören, nicht kaufen wollen. Es gibt genügend Wattebauschwerfer, die nur «einerseits, andererseits, aber vielleicht doch nicht» säuseln. Gähnend langweilig, statt unterhaltsam und anregend. Habe ich Prinzipien? Viele. Was öffentlich interessiert: Wo Zeyer draufsteht, ist auch Zeyer drin. Nicht mehr, nicht weniger. Ein engagierter Bürger, der den Satz mag: Das Unrecht, das einem Einzelnen widerfährt, ist eine Bedrohung für alle. Mich irritiert zunehmend, dass das irritiert. (René Zeyer)
„Fantoche“ in Baden
Von Esther Fischer-Homberger
Eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten wird derzeit in Baden gezeigt. Sie ist eine Herausforderung für die Sinne und den Geist.
Die Eröffnung jedenfalls war ein Vergnügen. Das Publikum sah sich einer Art von Trickfilmfestivals-Gerümpelkammer oder -Atelier gegenüber, angefüllt mit Requisiten, Tongerät, hier und da mit etwas künstlichem Nebel, und Masken mit runden Augen – ein staunendes und erstaunliches Augenpaar war von Anfang an das Signet des „Fantoche“.
Eine künstliche Heidi
Sogar die gewöhnlich eher langweilige Vorstellung der anwesenden Prominenz aus Politik, Sponsoring und Kultur wurde unterhaltend dargeboten. Eine selbstironisch der japanischen Trickfilm-Figur nachgebildete Heidi empfing die Ehrengäste in der bunten Installation. Einmal bot sie ihrem Gast auf einem alten Sofa, welches sie vorher noch hastig von störenden Gegenständen befreit hatte, Platz an, um ein kleines Interview zu veranstalten. Die anderen geleitete sie zum Rednerpult auf dem freigebliebenen Teil der Bühne.
Ihr filmisches Vorbild war in Projektion zu sehen, zwischendurch wurden anregende vorschauartige Sequenzen aus Animationsfilmen gezeigt. Und das personifizierte „Fantoche“ stand am Mischpult – das „Fantoche“ pubertiere, lautete der Kommentar, es existiere nämlich in Wahrheit bereits seit siebzehn Jahren. Der Name leite sich vom Fantastischen und der Fantasie ab.
„Paranorman“
Im Hinblick auf den 3D-Eröffnungsfilm „Paranorman“ (USA 2012) gab es ein kleines Gespräch zwischen Annette Schindler, der künstlerischen Leiterin des Fantoche und Sam Fell, einem der beiden Regisseure. Dieser hatte das bewegliche Figürchen ‘Norman’ mitgebracht und erzählte kurz, wie in dessen Herkunftsstudios in Portland die klassische Bild-für-Bild (Zweibild-für-Zweibild im 3D-Fall) Puppenanimation mit modernster Technik kombiniert worden sind. Nach seiner Funktion in dem Prozeß befragt, antwortete Fell „I mostly create problems.“
‘Fantoche’ bietet in verschiedenen Sälen und Kinos Langspielfilme wie eben den Eröffnungsfilm, hauptsächlich aber Kurzfilme, zur Feier des Jubiläums auch Preisträger und Lieblinge früherer Festivals. Es sind Filme aus aller Herren und Frauen Länder – Frauen spielen offenbar in der Geschichte des Animationsfilms wie des ‘Fantoche’ selbst eine besondere Rolle.
Tschechiens Beitrag
„Fokus Tschechien“ ehrt den tschechischen Animationsfilm. Während sich im Westen das cinematographische Disneyland monokulturell ausbreitete, hat der Trickfilm im Osten, und besonders in der damaligen Tschechoslowakei, staatlich gefördert, enorm vielfältig und erfindungsreich geblüht. Jiří Trnka, einer der Väter der Animation, dessen Filme seinerzeit überall zu sehen gewesen sind, ist seit den 1940er Jahren am Werk gewesen. Der ideenreiche Jan Švankmajer ist seit den 1980ern aktiv.
Das Fantoche-Festival bietet auch ein Kinderprogramm an, und Workshops, wo das interessierte junge und alte Publikum selber erleben kann, wie Animation zustande kommt. Und wie alle seriösen Festivals bietet es seinen professionellen Gästen spezielle Gelegenheit für Austausch mit Kollegen und Kontakte mit Vertretern von TV, Kinos und Verleihen.
Videogames: eine neue Kunstgattung
Erstmals ist den Games, speziell den künstlerischen „Independent Games“, dem zu gewaltiger Gestalt anwachsenden jüngeren Bruder des Animationsfilms, eine eigene Sektion gewidmet. Der Film „Indie Game“ (Lisanne Pajot und James Swirsky, USA 2012) zeigt drei junge selbständige Schöpfer von Videogames in ihrer Welt. „Indie Game“ wird umrahmt von Referaten zum Thema, einer Diskussion über die neue Kunstgattung und einer Ausstellung zum Thema, an welcher manche Games auch gespielt werden können.
Der Rat des Kulturverantwortlichen der Stadt Baden ist wohl beherzigenswert: man solle sich einfach auf die Welt der unbeschränkten Möglichkeiten einlassen, bis das eigene Gehirn selbständig zu arbeiten und zu fantasieren anfange. Für Essen und Trinken ist gesorgt. Hinweise leiten vom Badener Bahnhof zum nahen Festivalzentrum im Merker-Areal und dem ebenso nahen Kino Trafo am Brown Boveri Platz. http://www.fantoche.ch/2012/
Das Filmfestival dauert bis zum 9. September 2012






















